Türkei-Reise: Papst betont Gemeinsamkeiten zwischen Christen und Muslimen
zuletzt aktualisiert: 28.11.2006 - 21:46Ankara (RPO). Papst Benedikt XVI. hat bei seiner Türkei-Reise auf die Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam hingewiesen. Beide Religionen teilten den Glauben an den "heiligen Charakter und die Würde des Menschen", sagte das katholische Kirchenoberhaupt. Gleichzeitig warnte Benedikt XVI. davor, Gewalt durch die Religion zu rechtfertigen.
Bei einem Treffen mit dem Präsidenten des Amts für Religionsangelegenheiten, Ali Bardakoglu, sagte Benedikt XVI.: "Christen und Muslime gehören zur Familie derer, die an den einen Gott glauben." Der beste Weg voranzukommen, sei ein "authentischer Dialog" zwischen Christen und Muslimen.
Dieser müsse auf dem Glauben basieren und vom ehrlichen Wunsch geleitet sein, einander besser kennen zu lernen, die Unterschiede zu respektieren und die Gemeinsamkeiten zu erkennen. Den Konflikt um seine Regensburger Äußerungen zum Islam, für die ihn Bardakoglu kritisiert hatte, erwähnte Benedikt XVI. in seiner Ansprache nicht.
Vor Diplomaten sagte der Papst am Abend, die politischen Autoritäten jedes demokratischen Landes hätten die Aufgabe, allen Menschen die tatsächliche Glaubensfreiheit zu garantieren und ihnen die freie Religionsausübung zu gewährleisten. Das bedeute natürlich auch, dass die Religionen ihrerseits nicht nach direkter politischer Macht strebten und vor allem absolut darauf verzichten sollten, "Gewaltwandwendung als legitimen Ausdruck der Religion zu rechtfertigen".
Unmittelbar nach seiner Ankunft in Ankara hatte sich Benedikt XVI. am Mittag mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu einem rund 20-minütigen Gespräch zurückgezogen. Der Ministerpräsident bezeichnete die Papst-Reise anschließend als einen sehr wichtigen Besuch für die Botschaft des Friedens und der Toleranz. Das Treffen war erst kurz vor der Reise anberaumt worden. Ursprünglich hatte es geheißen, Erdogan habe für eine Begegnung mit dem Kirchenoberhaupt keine Zeit.
Anschließend legte der Papst im Mausoleum von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk einen Kranz nieder. In seinem Eintrag in das Gästebuch bezeichnete Benedikt XVI. die Türkei als "Begegnungspunkt verschiedener Religionen und Kulturen und Brücke zwischen Asien und Europa". Die viertägige Reise findet unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Weitere Stationen sind Ephesus und Istanbul. Der Papst selbst wertete seinen Besuch vor Journalisten nicht als politische Reise, "sondern als eine Pastoralreise, die den Dialog und die gemeinsame Bemühung um den Frieden zum Ziel hat".
Der Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Kardinal Paul Poupard, sagte, er setze große Hoffnung in die Reise. Mit Blick auf die Diskussion zum EU-Beitritt der Türkei betonte der Kurienkardinal, der Heilige Stuhl habe immer eine neutrale Position eingenommen, in diesem Zusammenhang aber stets auf die Bedeutung der Religionsfreiheit hingewiesen.
Nach Ansicht des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, kann ein muslimisches Land wie die Türkei prinzipiell eines Tages "durchaus" zur EU gehören. "Vielleicht" könne der Papstbesuch auf seine Weise dazu beitragen. Allerdings müsse die Regierung in Ankara der in der Türkei lebenden christlichen Minderheit die gleichen Rechte einräumen, wie sie die Muslime in Deutschland hätten.
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