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Der Papst über das Familienleben
"Kinder können Kopfschmerzen verursachen"

Papst Franziskus: "Kinder können Kopfschmerzen verursachen"
Der Papst bei seinem USA-Besuch mit zwei Mädchen, die Selfies mit ihm aufnahmen. FOTO: afp, mr/ljm
Philadelphia . Ab kommender Woche tagt die mit Spannung erwartet Familiensynode in Rom. Papst Franziskus' Auftritt beim Weltfamilientreffen in den USA galt deshalb als wegweisend. Doch am Ende kam alles ganz anders.

Die Erwartungen hat er nicht erfüllt. Trotzdem eroberte Papst Franziskus beim Weltfamilientag in Philadelphia die Herzen der Menschen. Anstatt eine Woche vor der mit Spannung erwarteten Familiensynode im Vatikan Reformern Hoffnung auf eine Öffnung zu machen oder Konservative zu bestärken, sparte der Papst heikle Themen einfach aus. Stattdessen sprach er spontan frei in seiner Muttersprache Spanisch. Es wurde ein leidenschaftlicher Appell für die Familie, der Menschen aus aller Welt mitriss.

"Familienleben kann Teller fliegen lassen, Kinder können Kopfschmerzen verursachen - und über Schwiegermütter will ich erst gar nicht reden", rief er den Zehntausenden Menschen aus aller Welt zu, die für den Weltfamilientag nach Philadelphia gekommen waren. Dennoch lohne es sich, für Familien zu kämpfen - denn sie seien "Fabriken der Hoffnung" und wichtig für die Gesellschaft.

Historische Rede: Papst Franziskus bei UN-Vollversammlung FOTO: dpa, mkx fdt

Sein Auftritt in Philadelphia war von Hunderttausenden Katholiken aus aller Welt mit Spannung erwartet worden. Gleichzeitig war es für Franziskus der Abschluss einer langen Reise, neun Tage lang hat der Argentinier Kuba und die USA besucht. Standen in den ersten Stationen vor allem aktuelle und politische Themen wie die Flüchtlingskrise oder Umweltschutz im Zentrum, widmete sich der Papst in Philadelphia ganz einem entscheidenden Thema der Kirche, der Familie.

Und das eine Woche vor der mit Spannung erwarteten Synode in Rom zu heiklen Themen rund um Ehe und Familie. Die Teilnahme des Papstes an dem Treffen in den USA hatte deshalb auch Symbolcharakter - und war von Reformern und Konservativen mit großer Hoffnung verfolgt worden.

Papst Franziskus spricht vor US-Kongress FOTO: ap

Homo-Ehe, Abtreibung, Verhütung: Streitthemen hat die katholische Kirche nun wirklich genug. Doch keins davon sprach Papst Franziskus an. Statt der erwarteten Standortbestimmung, wurde seine Auftritt vielmehr zu einem Lobgesang auf die Familie. Wer sich ein klares Statement oder einen Fingerzeig erhofft hatte, wurde enttäuscht.

Ein 78 Jahre alter Mann, unverheiratet und ohne Kinder, als Experte für Familienthemen? Dass das bei manchem vielleicht Kopfschütteln auslöst, ist auch Franziskus klar. Sicherlich könnten ihm einige sagen "Pater, Sie haben leicht reden, Sie leben allein", gab er zu. Doch ihm sei durchaus bewusst, dass es Probleme und Konflikte in einer Familie gebe. Dennoch seien sie wichtig und unersetzlich.

Obama empfängt Papst Franziskus in Washington FOTO: afp, VIP

Damit sprach der Pontifex Zehntausenden Katholiken aus dem Herzen. Sechs Familien von allen Kontinenten berichteten in Philadelphia von ihren Erfahrungen und von überwundenen Schwierigkeiten - etwa dem Tod eines Kindes oder dem Leben einer alleinerziehenden Mutter mit behindertem Kind. Sie machten auch deutlich, wie unterschiedlich die Realitäten der Menschen sind. Vor der Synode ergab eine Umfrage, dass viele Gläubige sich in der Lehre nicht mehr wiederfinden. Auch das dürfte ab der kommenden Woche in Rom Teil der Diskussionen sein.

Eins hat der Papst mit seiner spontanen Rede in jedem Fall geschafft: Zehntausende Menschen zu begeistern und mitzureißen. Sie feierten den Papst wie einen Popstar. Mit La-Ola-Welle, Sprechchören und Jubelrufen wurde der vorbeifahrende Franziskus begrüßt, Zehntausende säumten die Straßen und schwenkten Fahnen und Plakate.

Die Botschaft, die von Franziskus' bislang längster Auslandsreise zurückbleibt, ist dennoch vor allem eine politische. Beim Empfang im Weißen Haus, vor dem US-Kongress und in den Vereinten Nationen hielt er historische und viel beachtete Ansprachen. Seine Mahnungen zu einer gerechteren Welt, Frieden, Umweltschutz und dem Kampf gegen Armut und Hunger werden in vielen Köpfen zurückbleiben.

(dpa)
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