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Südamerika-Reise
Papst Franziskus passiert Kultstätte von Satanisten

Fotos: Papst Franziskus zu Besuch in Südamerika
Fotos: Papst Franziskus zu Besuch in Südamerika FOTO: afp, ma
La Paz. Es führt kein Weg daran vorbei - auch nicht für den Papst. Wenn Franziskus am Mittwochnachmittag in über 4000 Metern Höhe in Bolivien landet, muss er die Autobahn nach La Paz nehmen. Und an der liegt die berüchtigte "Teufelskurve", eine Kultstätte von Satanisten.

In der Dunkelheit pilgern die Menschen an den Felsen am Straßenrand, um dem Teufel zu huldigen. Eine Frau zündet zwei wie Menschen geformte schwarze Kerzen an, in die sie die Namen Valentina und Carlos geritzt hat. "Sie sollen verflucht sein", sagt die Frau und wünscht den beiden alles Böse. "Wir haben ihnen vor fünf Jahren Geld geliehen, sie haben uns betrogen" schimpft sie. "Wir weinen um unser Geld, jetzt sollen sie weinen", wiederholt sie immer wieder, während sie mit einer Nadel auf die Kerzen einsticht.

Don Félix ist einer der Schamanen, die an dem Autobahnfelsen Zeremonien abhalten. "Sie heißt 'Curva del Diablo', Teufelskurve", erklärt er. "Die Leute bitten um Geld, ein Auto, ein Haus oder Gesundheit. Deshalb legen sie Blumen, Alkohol und Kokablätter nieder."

Fotos: Papst Franziskus – Steckbrief und Bilder aus seinem Leben FOTO: afp, mlm

Der Altar der Kultstätte ist etwa 50 Meter lang und ragt 40 Meter in die Höhe. Bis vor einigen Jahren zierte ihn ein in den Felsen gehauenes Teufelsgesicht. Als dort die Leiche eines Mannes auftauchte, der angeblich geopfert wurde, zerstörte die Polizei die Kultstätte. Doch kurze Zeit später kehrten die Teufelsanbeter zurück. Hunderte Wachsflecken abgebrannter Kerzen zeugen davon.

Der Erzbischof von La Paz, Edmundo Abastoflor, macht sich dennoch keine Sorgen, dass der Satanskult den Papstbesuch stören könnte. Hinter den Hunderten Menschen, die Franziskus vom Straßenrand zujubeln werden, wird der Teufelsaltar gar nicht zu sehen sein. "Ich glaube nicht, dass die Menschen, die ihn an der Autobahn begrüßen, davon Notiz nehmen werden, und der Papst noch viel weniger", sagt der Erzbischof. "Außerdem werden die Behörden Vorkehrungen treffen." Sie wollen die Kultstätte verhüllen.

Papst Franziskus empfängt Angela Merkel FOTO: ap, DC AP

Schon in präkolumbianischer Zeit war die Kurve eine Kultstätte, an der eine Gottheit namens Katari verehrt wurde. "Es gibt den alten Glauben, dass dort ein religiöses Zentrum der Ureinwohner war", sagt der Forscher Milton Eyzaguirre vom Museum für Völkerkunde und Folklore in La Paz. Hühner, Hunde und Katzen seien dort geopfert worden. Seit einigen Jahren ist nach Angaben des Völkerkundlers ein Verband von Schamanen namens "Waca Katari" in der Teufelskurve aktiv. Dieser bestreitet, Tiere zu opfern.

Polizeichef Jorge Téllez will ganz sicher gehen, dass der Gast aus dem Vatikan nicht mit den okkulten Praktiken konfrontiert wird. Er rief die Pilger der Teufelskurve auf, während des Papstbesuches "nicht gegen die guten Sitten zu verstoßen".

(AFP)
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