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Papst Franziskus ruft zur Versöhnung auf
Kuba bejubelt den Heiligen Vater

Papst Franziskus besucht Kuba und die USA
Papst Franziskus besucht Kuba und die USA FOTO: dpa, tg ks
Havanna. Als dritter Papst nach Johannes Paul II. und Benedikt XVI. besucht Franziskus den Karibikstaat Kuba. Sein Besuch könnte für die Gastgeber unbequem werden. Franziskus hat politische Botschaften im Gepäck.

Papst Franziskus hat zum ersten Mal kubanischen Boden betreten und die Staatschefs Kubas und der USA zur weiteren Arbeit an einer Normalisierung ihrer Beziehungen aufgerufen. Präsident Raúl Castro, der ihn am Samstag feierlich auf dem José-Martí-Flughafen der Hauptstadt Havanna begrüßte, und dessen US-Konterpart Barack Obama lobte er gleichzeitig für ihr bisheriges diplomatisches Engagement.

Die geglückten Verhandlungen - bei denen Franziskus eine wichtige Vermittlerrolle innehatte - bezeichnete er als "ein Beispiel der Aussöhnung für die gesamte Welt".

Franziskus feiert am Sonntag eine große Messe auf dem Plaza de la Revolución in Havanna. Dann ist ein offizielles Gespräch mit Castro geplant. Der päpstliche Sprecher Federico Lombardi ließ vor Reportern anklingen, dass es auch möglich sei, dass der Heilige Vater am Sonntag den früheren Staatschef Fidel Castro zum Mittagessen treffen wird. Dessen Bruder Raúl bat er bereits auf dem Rollfeld, dem 89 Jahre alten Revolutionär seine "spezielle Achtung und Ehrerbietung" auszurichten.

Eigentlich sollte der päpstliche Besuch den Fokus auf den Glauben in dem Karibikstaat richten - angesichts der politischen Entwicklungen dürfte jedoch die Diplomatie in den Vordergrund rücken. Am Montag fliegt Franziskus dennoch für eine Messe in die im Osten gelegene Stadt Holguín. Anschließend geht es weiter Richtung Osten nach Santiago, wo er die Nacht verbringen und eine weitere große Messe feiern wird. Am Dienstag reist er dann weiter nach Washington.

Das Flugzeug des katholischen Kirchenoberhauptes war am Samstagmittag (Ortszeit) in Havanna gelandet. Präsident Castro begrüßte ihn mit einem kräftigen Handschlag. Auch Havannas Erzbischof, Kardinal Jaime Ortega, war bei dem Empfang auf einem ausgerollten Roten Teppich dabei.

Tausende Kubaner jubelten Franziskus anschließend mit kubanischen und vatikanischen Flaggen zu, als er mit dem neuesten Papamobil durch die Straßen von Havanna fuhr. Entlang des Weges sangen Nonnen zu traditioneller kubanischer Musik das Vaterunser. Eine Frau hielt ein Schild mit der Aufschrift "Franziskus, du bringst uns Hoffnung" in den Händen. Andere riefen "Franziskus! Bruder! Jetzt bist du ein Kubaner!". Der Vatikan schätzte die Zahl der Menschen an den Straßen auf rund 100 000.

Das Papamobil brachte den Papst in die vatikanische Botschaft, in der er übernachtete. Kurz nachdem er dort angekommen war und zu Abend gegessen hatte, ließ er sich noch einmal vor der Botschaft blicken, um knapp 30 bis 40 vorausgewählte Gäste zu begrüßen.

Gespräche mit Dissidenten stehen für Franziskus nicht auf dem Programm. Auch die beiden vorherigen Päpste, die Kuba besucht hatten - Johannes Paul II. und Benedikt XVI. - hatten darauf verzichtet. In einem möglichen Fingerzeig in Richtung der Dissidenten sagte Franziskus auf dem Rollfeld des Flughafens, er wolle in sein Grußwort "ganz besonders all diejenigen einbeziehen, die ich aus verschiedenen Gründen nicht treffen kann".

Lombardi schob später nach, damit habe Franziskus alle Kubaner grüßen wollen, die Dissidenten inklusive. Während seiner Zeit auf Kuba wird zudem genau beobachtet, wie Franziskus mit zwei heiklen Themen umgehen wird: die Menschenrechtslage und die Freiheit der Kirche in dem kommunistischen Karibikstaat.

(ap)
 
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