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Feierlichkeiten in Rom
Zehntausende kommen zur Heiligsprechung von Mutter Teresa

Papst Franziskus spricht Mutter Teresa heilig
100.000 Menschen wurden zur Heiligsprechung von Mutter Teresa erwartet. FOTO: rtr, TG/LP
Vatikanstadt. In Rom haben sich zehntausende Menschen aus aller Welt zur Heiligsprechung von Mutter Teresa auf dem Petersplatz und den umliegenden Straßen versammelt. Bereits in der Nacht trafen die ersten Pilgergruppen an den Sicherheitsschleusen der Polizei ein.

Teils hatten sie in der Nähe des Vatikan im Freien übernachtet. Viele kamen mit Mutter-Teresa-T-Shirts; Porträts der Heiligen verwandelten den Petersplatz in ein buntes Fahnenmeer. Zahlreich vertreten waren die von Mutter Teresa gegründeten "Missionarinnen der Nächstenliebe" in weißer Ordenstracht mit blauem Saum wie sie die neue Heilige getragen hatte. 

Papst Franziskus sprach die als "Mutter der Armen" bekanntgewordene Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin heilig. Der Vatikan erwartete im Vorfeld dazu mehr als 100.000 Teilnehmer. 13 Staats- und Regierungschefs kündigten ihr Kommen an, unter ihnen Indiens Ministerpräsident Narendra Modi. Der Gottesdienst findet unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt. Rund um den Vatikan sind 1.000 Polizisten und Spezialkräfte im Einsatz. Weltweit übertragen 120 Sendeanstalten die Heiligsprechung. In Deutschland ist die Feier im ZDF live zu sehen.

Die Heiligsprechung ist eine der schnellsten in der Geschichte der katholischen Kirche. Bereits 2003 war Mutter Teresa seliggesprochen worden. Die albanische Ordensfrau, die auch die indische Staatsbürgerschaft besaß, kümmerte sich in Kolkata mit ihrem Orden "Missionarinnen der Nächstenliebe" um Arme und Bedürftige. Ihr Engagement machte sie weltberühmt, vielen galt sie schon zu Lebzeiten als Heilige.

Papst Franziskus wünscht sich "Revolution der Zärtlichkeit" 

Mutter Teresa wurde durch ihre Hilfe für Waisenkinder und Obdachlose in den Slums der indischen Stadt Kalkutta weltberühmt. 1979 wurde sie dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Papst Johannes Paul II. (1978-2005) sprach die Gründerin der "Missionarinnen der Nächstenliebe" bereits 2003, nur sechs Jahre nach ihrem Tod, selig.

Zitate von Mutter Teresa FOTO: dpa

Papst Franziskus würdigte das Leben von Mutter Teresa am Wochenende als "besonders geeignetes Beispiel der Nächstenliebe und der großherzigen Aufmerksamkeit für die Armen und Letzten". Er wünsche sich, dass die Verehrer von Mutter Teresa die "Revolution der Zärtlichkeit" fortsetzten, die mit Jesus Christus begonnen habe, heißt es in der Grußbotschaft an einen internationalen Kongress zu der neuen Heiligen in Rom, aus der die vatikanische Tageszeitung "Osservatore Romano" (Samstag) zitierte.

Heiligsprechung als Höhepunkt des Jahres der Barmhrzigkeit

Die Heiligsprechung von Mutter Teresa gilt als einer der Höhepunkte des Heiligen Jahres, das Papst Franziskus im Dezember ausgerufen hat. Im Mittelpunkt steht das Thema Barmherzigkeit. Vereinzelt gibt es auch Kritik an Mutter Teresa. Sie bemängelt unter anderem, dass sie die Armen zu wenig zur Selbsthilfe angeleitet habe.

Die Generaloberin des Ordens von Mutter Teresa, Mary Prema Pierick, sagte, die Ordensgründerin sei für sie weiterhin präsent. "Was Mutter zu Lebzeiten für uns getan hat, uns zu Jesus und zur Muttergottes zu führen, das tut sie jetzt auch." Seit ihrer ersten Begegnung 1980 habe Mutter Teresa sie durch ihre Energie und Führungsstärke beeindruckt, sagte Pierick, betonte aber zugleich: "Ihr Lächeln war ihr Geschenk an Jesus in die Welt. Die Menschen haben genug Leid, dem müssen wir nichts hinzufügen." Auch in Indien, wo Christen eine kleine Minderheit bilden, könne Mutter Teresa viel zu Verständigung und Liebe beitragen.

(KNA)
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