Messe vor 150.000 in Lourdes: Papst gewinnt Sympathien der Franzosen
VON KARIN FINKENZELLER - zuletzt aktualisiert: 15.09.2008 - 07:00Lourdes (RP). Bei einer Festmesse im südfranzösischen Wallfahrtsort Lourdes hat Benedikt XVI. die Katholiken zu einer mutigen Erneuerung des "missionarischen Geistes" aufgerufen. Die Gläubigen rief der Papst auf, Gott und seiner Botschaft in ihrem Leben mehr Raum zu geben.
In einer Messe unter freiem Himmel in Lourdes sagte der Papst in seiner auf Französisch gehaltenen Predigt: „Wer sich Gott zuwendet, findet sich selbst.“ Zuvor hatte er in Paris gefordert, die Rufe von Jesus Christus nicht unbeantwortet zu lassen, und der „heidnischen“ Leidenschaft für Macht und Besitz zu entsagen. Mit seinen deutlichen, aber zurückhaltend formulierten Appellen gewann er viele Sympathien in dem Land, das seinen Besuch wegen der strikten Trennung zwischen Kirche und Staat mit großer Skepsis erwartet hatte.
Etwa 150.000 Menschen hatten sich in Lourdes zu der Messe mit dem Papst rund um jene Grotte versammelt, wo der Müllerstochter Bernadette Soubirous vor 150 Jahren der Überlieferung zufolge Maria erschienen ist. Das Jubiläum war Anlass für die Papstreise nach Frankreich.
"Wer betet, verliert keine Zeit"
Am Samstagabend hatte Benedikt XVI. an der Grotte gebetet und sich nach der traditionellen Lichterprozession an die 100.000 Menschen gewandt, die ihm trotz strömenden Regens einen jubelnden Empfang bereiteten. Benedikt XVI. rief die Gläubigen auf, die Botschaft von Lourdes kundzutun: „Die Botschaft Marias ist eine Botschaft der Hoffnung für alle Männer und alle Frauen in der Welt. – Wer betet, verliert keine Zeit, selbst wenn diese noch so drängt.“ Vor allem die jungen Leute sollten sich nicht entmutigen lassen, ihren Glauben zu leben. „Auch Maria, eine einfache Frau aus Nazareth, war beunruhigt, als der Engel Gabriel ihr verkündete, dass sie die Mutter des Gottessohns sein werde.“
Bereits bei der Messe vor dem Invalidendom in Paris am Vortag hatte der Papst an die Jugendlichen appelliert, ihr Leben in den Dienst der Kirche zu stellen. 60.000 von ihnen hatten die Nacht über vor dem Platz im Zentrum von Paris campiert, um den Papst aus nächster Nähe zu erleben. In Frankreich verwaisen zunehmend Pfarreien und Orden, weil Nachwuchspriester und Novizen fehlen.
Bollwerk gegen den Islam
Benedikt XVI. forderte auch, die Rolle der Kirche im öffentlichen Leben zu stärken. Er findet dabei Unterstützung bei Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der sich anlässlich des Papstbesuches erneut für einen „positiven Laizismus“ ausgesprochen hatte, der den Dialog mit der Kirche fördern müsse.
Einige der französischen Bischöfen, mit denen sich der Papst traf, fürchten, dass allzu großer Nachdruck für eine bedeutendere Rolle der Kirche ihr eher schaden als nützen könne. Die Trennung von Kirche und Staat wird nämlich längst nicht mehr so strikt gehandhabt wie 1905, als sie in der französischen Verfassung verankert wurde. So besuchen beispielsweise 20 Prozent der jungen Franzosen staatlich subventionierte katholische Privatschulen. Zudem schätzen konservative Kreise die Katholische Kirche als Bollwerk gegen den Islam – die Religion der meisten Einwanderer.
Allerdings kritisiert die Kirche auch die restriktive Einwanderungspolitik Sarkozys, Bestrebungen zu einer Vereinfachung von Scheidungen und die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich. Vor seiner Rückreise nach Rom hält Benedikt XVI. heute noch eine Messe speziell für die Kranken, die in der Hoffnung auf Heilung oder zumindest Linderung nach Lourdes pilgern.
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