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Weltjugendtag Madrid Unwetter
  Foto: AFP, AFP
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Unwetter zum Abschluss des Weltjugendtags: Papst muss Abendgebet unterbrechen

zuletzt aktualisiert: 21.08.2011 - 08:45

Madrid (RPO). Der Abschlusstag stand unter einem guten Stern. Der Samstag in Madrid war brüllend heiß, Temperaturen um die 38 Grad. Ausgerechnet an diesem Samstag sollte das große Finale des Weltjugendtags stattfinden, ein Abendgebet mit Papst Benedikt XVI. auf dem Flughafengelände "Cuatro Vientos".

Viele Gläubige wollten einen guten Platz. Kurz nach 6 Uhr waren es eine Million. Sie standen in der prallen Sonne; 880 mussten sich vom Sanitätdienst verarzten lassen: akuter Wassermangel, Kreislaufprobleme, Übelkeit infolge der Hitze.

Als der Papst kommt, ist die Freude groß und der Himmel bewölkt; gnädig, wie es scheint. Doch eine halbe Stunde nach Beginn bricht der Sturm los. Der Wetterdienst hatte ihn angekündigt. Eine Bö fegt Benedikt XVI. das weiße Scheitelkäppchen fort; ein weiterer Windstoß wirft das Weltjugendtagskreuz um. Der Papst muss seine Predigt nach wenigen Sätzen abbrechen. Zwei Helfer, unter ihnen der päpstliche Zeremonienmeister, versuchen das Oberhaupt mit einem Schirm zu schützen.

Der Wind zerrt an ihm, sein Skript durchnässt, aber er bleibt. Das beeindruckt auch die Leute im Volk. "Gott hat uns den Regen gegeben", sagt Domenica aus Ecuador. Blitze gehen nieder, Donner rollt, aber Domenica fürchtet sich nicht. "Wenn Gott bei mir ist, kann mir nichts passieren." Die 16-jährige Elena aus Madrid pflichtet dem bei: "Der Papst ist geblieben, das hat mir Mut gegeben", sagt sie später.

Verzicht auf Predigt

Nach 20 Minuten kann Benedikt XVI. weiterreden, verzichtet aber auf die Predigt und hält lediglich einige Grußworte in verschiedenen Sprachen. "Danke für eure Fröhlichkeit und eure Ausdauer", ruft er auf Spanisch. "Der Herr schenkt euch mit dem Regen viel Segen." Das sagt er eigentlich meistens in solchen Situationen.

Vieles bleibt ungesagt an diesem Abend. Die ganze Ansprache, in der er von der relativistischen Kultur handeln wollte und von der Berufung in Kirche und Gesellschaft. Ein paar junge Leute hatten zu Beginn Fragen an ihn richten dürfen, auch eine Berlinerin, die keine Christin ist. Vom Papst wollte sie erklärt haben, warum sich Gott unter all den Menschen ausgerechnet für sie interessieren sollte. Andere fragten nach dem Leiden in der Welt, nach dem Sinn von Ehe und dem Priestertum. Die Antworten bleiben offen.

Bühnenarbeiter müssen aus Sicherheitsgründen Teile der Stoffverkleidung von den Gerüsten des Altaraufbaus entfernen. Zu heftig hat hier der Wind gerüttelt. Damit nicht auch der Abend aus der Form gerät, lassen die Mitarbeiter des Papstes wie geplant die Monstranz von Enrique de Arfe aus der Kathedrale von Toledo auf die Bühne bringen, 183 Kilo Silber, 18 Kilo Gold zu einem mannshohen filigranen Gehäuse verarbeitet, ein Prunkstück der Goldschmiedekunst des 16. Jahrhunderts.

Dort wird eine geweihte Hostie eingesetzt, das Kostbarste, was Katholiken kennen. Benedikt XVI. kniet davor nieder und mit ihm die Million auf dem Feld. Und plötzlich wird es still; auf manchem Gesicht ziehen Tränen eine feuchte Spur. Dann erteilt der Papst in seinem goldenen Gewand den Segen mit dem Allerheiligsten, ungeachtet der vorangegangenen Turbulenzen und der Industriekletterer mit Helm und Gurtzeug auf den Gerüsten. Eine groteske Szene. Aber niemanden irritiert das.

Feuerwerk kommt trotzdem

Am Schluss gibt es noch das geplante Feuerwerk. Arm in Arm stehen Marina und ihr Freund Beher aus Ägypten unter einer Plane. Marina hat ein großes Tuch um ihre Schulter gelegt, sie friert. "Aber es ist schön, dass endlich Regen kommt. Gott hat es so gewollt. Wir haben den ganzen Tag geschwitzt, das war kaum auszuhalten", sagt die 20-Jährige. Nur der Schlamm macht ihnen Sorgen. "Darauf waren wir nicht vorbereitet. Wir wissen nicht, wie wir schlafen sollen", sagt Beher.

Polizei und Organisatoren öffnen ein zusätzliches Tor, um einen rascheren Abzug zu ermöglichen. Ein Moderator gibt von der Bühne organisatorische Hinweise. "Eines vorab", sagt er. "Der Papst ist sehr stolz auf euch." Lauter Jubel. Wenig später wird bekannt, dass einige der Zelte umgestürzt sind, in denen Jugendliche die Nacht über vor dem Altarsakrament beten wollten. Bis auf ein paar Leichtverletzte kamen alle heil davon. Vielleicht hatten sie einfach nur Glück.

Quelle: KNA/pes-/felt
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