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Christmette 2010 Papst Petersdom 101225
  Foto: AFP, AFP
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Weihnachtsbotschaft auf dem Petersplatz: Papst ruft zu Nächstenliebe auf

zuletzt aktualisiert: 25.12.2010 - 17:46

Vatikanstadt (RPO). Papst Benedikt XVI. hat an Weihnachten zu Frieden, Gerechtigkeit und Achtung der Religionsfreiheit in aller Welt aufgerufen. In seiner traditionellen Weihnachtsbotschaft forderte er am Samstag zur Suche nach einem gerechten und friedlichen Zusammenleben von Israelis und Palästinensern auf und beklagte die Einschränkung von Religions- und Gewissensfreiheit für die Kirche in China.

Nach seiner in alle Welt über Radio, Fernsehen und Internet übermittelten Weihnachtsbotschaft spendete Benedikt XVI. den traditionellen Segen "Urbi et orbi". Zuvor sprach er Weihnachtswünsche in 65 Sprachen. Auf Deutsch sagte er: "Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschen, erfülle Euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade; sein Friede möge in Euren Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!"

Am Freitagabend hatte Papst Benedikt XVI. für ein friedliches Zusammenlegen der Völker, für Achtung der Menschenwürde und für einen umfassenden Lebensschutz gebetet. Mit der Christmette im Petersdom eröffenete der Kirchenoberhaupt am Freitagabend unter großen Sicherheitsvorkehrungen die Feierlichkeiten zum Weihnachtsfest.

In seiner Weihnachtsbotschaft am Samstag gedachte das Kirchenoberhaupt auch der von Erdbeben und danach von einer Choleraepidemie heimgesuchten Bevölkerung Haitis. "Ebenso sollen diejenigen nicht vergessen werden, die in Kolumbien und Venezuela, aber auch in Guatemala und Costa Rica vor kurzem Naturkatastrophen erleiden mussten", sagte der Papst.

Info

Urbi et Orbi

Die Formel "urbi et orbi" gehört zum feierlichen Segensspruch, den der Papst an Ostern und Weihnachten vom Balkon des Petersdoms erteilt. Seit vielen Jahren wird dieser Segen von Fernsehanstalten weltweit übertragen. Heutzutage verbindet das Kirchenoberhaupt damit Weihnachtsgrüße in mehr als 60 Sprachen.

Die lateinischen Worte bedeuten übersetzt "der Stadt und dem Erdkreis". Damit unterstreicht die katholische Kirche ihren universalen Geltungsanspruch. Das Weltbild der römischen Antike sah Rom als Inbegriff der Stadt (urbs) und als Mittelpunkt des Erdkreises (orbis).

Die römische Kurie verwendet die Formel auch für bestimmte Dokumente, die weltweit gelten sollen. Weitere Anlässe für den Gebrauch der Formel sind Selig- und Heiligsprechungen, besondere Ablässe sowie der erste Segen, den ein Papst nach seiner Wahl spendet.

Weiter mahnte er Friedensperspektiven für Afrika an. Die Menschen in Somalia, Darfur und in der Elfenbeinküste brauchten Perspektiven eines beständigen Friedens und eines echten Fortschritts. Zugleich bat das Kirchenoberhaupt um Sicherheit und Achtung der Menschenrechte in Afghanistan und Pakistan.

Schließlich forderte er einen Dialog zwischen Nicaragua und Costa Rica sowie eine Versöhnung auf der Halbinsel Korea.

Vor mehreren Zehntausend Gläubigen auf dem Petersplatz erinnerte Benedikt XVI. auch an die eigentliche Bedeutung der Weihnachtsbotschaft. Mit der Geburt in Bethlehem sei Gott Mensch geworden. "Gott ist nicht fern: Er ist nahe". Das Licht dieser Wahrheit zeige sich dem, der es mit Glauben aufnimmt, da es ein Geheimnis der Liebe sei. "Nur wer sich der Liebe öffnet, wird vom Licht der Weihnacht umfangen." Die Menschwerdung des Sohnes Gottes sei ein Ereignis, dass in der Geschichte geschehen sei, aber zugleich über diese hinausreiche.

Christmette im Petersdom an Heiligabend

Trotz großer Sicherheitsbedenken nach den jüngsten Paketbombenanschlägen auf zwei Botschaften in Rom feierte Papst Benedikt XVI. am Freitag mit zahlreichen Gläubigen die Christmette im Petersdom. Tausende hatten bei Regen mehrere Stunden vor Beginn der Zeremonie auf dem Petersplatz auf Einlass in die Basilika gewartet.

Bei dem Gottesdienst in der überfüllten Vatikan-Basilika gedachte er der Geburt Jesu Christi vor über 2000 in Bethlehem. Mit rund 10.000 Gläubigen betete er für ein friedliches Zusammenleben der Völker, für die Achtung der Menschenwürde und für einen umfassenden Lebensschutz. Die Christmette wurde erstmals auch auf Chinesisch per Livestream im Internet übertragen.

Umgeben von Leibwächtern schritt er zu Beginn der Messe durch den Mittelgang und hielt zweimal an, um Babys zu segnen. Nach der Explosion von zwei Briefbomben in ausländischen Botschaften Roms am Donnerstag waren die Sicherheitsvorkehrungen im Zentrum der Stadt sowie rund um die ausländischen Botschaften kurzzeitig angehoben worden.

Im vergangenen Jahr begann die traditionelle Christmette mit einem Schrecken. Eine verwirrte Frau hatte sich beim Einzug des Kirchenoberhauptes in den Petersdom auf den Papst gestürzt, ihn niedergerissen und einen Kardinal verletzt. Ein Jahr zuvor hatte eine Frau die Absperrung ebenfalls übersprungen und wurde von Sicherheitsleuten gestoppt, bevor sie in die Nähe des Papstes gelangen konnte.

Jesus' Botschaft: Gerechtigkeit, Liebe und Friede

In seiner Predigt sagte der Papst, durch die Menschwerdung Christi habe Gott der Welt seine Botschaft der Gerechtigkeit, der Liebe, des Friedens und der Wahrheit gebracht. Damit habe Jesus auch eine wahre Geschwisterlichkeit geschaffen. Mit Nachdruck rief er die Gläubigen zur Solidarität und Mitmenschlichkeit auf. Insbesondere in den Leidenden und Verlassenen sollten sie das Gesicht Gottes erkennen, betonte der Papst in der Feier zur Christnacht.

Mit der Geburt Jesu sei die unendliche Entfernung zwischen Gott und Menschen überbrückt worden, fügte Benedikt XVI. hinzu. Mit seiner Menschwerdung habe Christus "die wahre Brüderlichkeit geschaffen". Das Reich Christi reiche wirklich bis an die Enden der Erde. "Er hat Inseln des Friedens errichtet in der weltumspannenden Weite der heiligen Eucharistie. Wo immer wie gefeiert wird, ist eine Insel des Friedens, der von Gott stammt, so der Papst.

Vor der Christmette hatte Papst Benedikt XVI. die Krippe auf dem Petersplatz gesegnet. Er zündete am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast ein Licht als Symbol des Friedens an. Am Ersten Weihnachtstag spendet der Papst dann den Segen "Urbi et Orbi" (der Stadt und dem Erdkreis) und verliest in mehreren Dutzend Sprachen Weihnachtsgrüße an alle Völker. Es ist das sechste Mal seit seiner Wahl zum Papst, dass Benedikt XVI. die Weihnachtsfeiern im Vatikan leitet.

Tote und Verletzte bei Anschlägen

Auf den Philippinen wurde das Weihnachtsfest von einem Bombenanschlag überschattet, bei dem elf Menschen verletzt wurden. Unter den Opfern der Detonation während einer Messe auf einem Polizeigelände auf der Insel Jolo war auch der Pfarrer, wie die Polizei mitteilte. Die Wucht der Detonation brachte einen Teil des Dachs zum Einsturz.

Zum Zeitpunkt des Anschlags am Samstag befanden sich nach Angaben des Pfarrers etwa 50 Gläubige in der Kirche, etliche weitere strömten gerade in das Gebäude. Wer für die Tat verantwortlich war, wurde zunächst nicht bekannt. Die Insel Jolo gilt als Hochburg von Extremisten mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida.

Bereits am Heiligen Abend wurden in Nigeria bei einer Serie von Anschlägen und Überfällen fast 20 Menschen getötet. Im Norden des Landes überfielen Mitglieder einer radikalen islamischen Sekte zwei Kirchen, wie die Polizei in der Stadt Maiduguri am Samstag mitteilte. Nach Angaben von Kirchenvertretern kamen dabei sechs Menschen ums Leben. In der Stadt Jos wurden den Behörden zufolge bei mehreren Bombenanschlägen mindestens elf Menschen in den Tod gerissen.

Im Irak versammelten sich am Samstag Gläubige in der Kirche, in der am 31. Oktober bei einer Geiselnahme durch muslimische Extremisten 68 Menschen ums Leben kamen. Die Spuren des Blutbads waren in dem Gotteshaus noch deutlich sichtbar. "Die Liebe wird uns retten", sagte Erzbischof Matti Schaba Matuka in seiner Predigt. Auch der Papst erinnerte in seiner Weihnachtsbotschaft an die schwierige Lage der Christen im Irak.

Quelle: KNA/AP/RTR

 
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