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Achttägige Reise: Papst stärkt Christen in Nahost

VON FRANK VOLLMER - zuletzt aktualisiert: 10.05.2009 - 19:43

Amman (RP). Vor 30.000 Gläubigen hat Benedikt XVI. in der jordanischen Hauptstadt eine Messe gefeiert und die Katholiken aufgefordert, Friedensstifter zu sein. Aufrufe zum Dialog bestimmen bisher die Nahost-Reise. Am Montag trifft der Pontifex in Israel ein -­ dort gibt es offenbar diplomatische Verstimmungen.

Papst Benedikt XVI. hat die Christen im Nahen Osten aufgerufen, an ihrem Glauben festzuhalten. Die Katholiken in der Region sollten Brücken bauen zu anderen Religionen und Kulturen, sagte der Papst gestern im Stadion der jordanischen Hauptstadt Amman in seiner Predigt. Zu dem Freiluftgottesdienst waren nach Angaben des Vatikans etwa 30.000 Menschen gekommen.

„Benedetto benvenuto” („Willkommen, Benedikt”) skandierten die Gläubigen, als Benedikt XVI. im Papamobil über die Tartanbahn des Stadions fuhr. „Salam aleikum” („Friede sei mit euch”), grüßte der Papst die Gemeinde. Die Kirche müsse in Jordanien, einem Land mit alter christlicher Tradition, Präsenz zeigen, sagte Benedikt. Trotz der politischen Schwierigkeiten müsse die Kirche Beiträge zu einer „Kultur wahrer Menschlichkeit” leisten, indem sie Mut zum Dialog habe. Mit Nachdruck würdigte der Papst die Rolle der Frauen als Friedensstifterinnen. Vor allem sollten die Christen „nie die große Würde vergessen, die eurem Erbe entspringt, und stets die Solidarität der Kirche auf der ganzen Welt spüren”. Nachmittags besuchte der Papst die Taufstelle Jesu am Jordan.

Jordanien ist die erste Station auf der achttägigen Nahost-Reise des Papstes, die ihn auch nach Israel und in die Palästinensergebiete führen wird. Am Samstag hatte Benedikt in Amman zum zweiten Mal während seines Pontifikats ein islamisches Gotteshaus besucht. In der Al-Hussein-Bin-Talal-Moschee zog sich der Papst entgegen der islamischen Sitte nicht die Schuhe aus. Die Begleiter hätten den Papst jedoch in die Moschee geführt, ohne ihm Gelegenheit zu geben, das Schuhwerk abzulegen, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.

Bei einer anschließenden Begegnung mit islamischen Religionsvertretern warb Benedikt XVI. für den christlich-muslimischen Dialog. Er beklagte, Manipulation der Religion durch die Politik löse Spannungen und Gewalt aus. Jordaniens Prinz Ghazi Bin Talal würdigte die Klarstellung des Vatikans nach der umstrittenen Regensburger Rede 2006, in der Benedikt mohammedkritische Zitate verwendet hatte.

Zuvor hatte Benedikt den Berg Nebo besucht, von dem aus nach biblischer Überlieferung Moses das Gelobte Land gesehen hatte. Dort hatte der Papst Christen und Juden aufgerufen, „alle Hindernisse auf dem Weg zur Versöhnung zu überwinden”. Die Pilgertradition an solchen Orten erinnere die Christen an das „untrennbare Band, das die Kirche mit dem jüdischen Volk verbindet”.

Am Montag betritt Benedikt XVI. israelischen Boden. Auf die Begrüßungszeremonie auf dem Flughafen von Tel Aviv und ein Treffen mit Staatspräsident Shimon Peres folgt der mit Spannung erwartete Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. In der „Halle der Erinnerung”, in der die Namen von 22 Konzentrationslagern auf dem Boden zu lesen sind, wird Benedikt die Gedenkflamme für die Opfer des Holocaust neu entzünden. Anschließend trifft der Papst sechs Überlebende des Holocaust und hält eine Ansprache.

Die israelische Presse berichtet indes über protokollarische Verstimmungen zwischen der israelischen Regierung und dem Vatikan. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bestehe darauf, bei der Ankunft des Papstes auf dem Tel Aviver Flughafen eine Rede zu halten, schreibt die Zeitung „Jedijot Achronot”. Der Vatikan habe den Wunsch mit der Begründung abgelehnt, der Papst sei ein Staatsoberhaupt; daher dürfe nur der ranggleiche Staatspräsident Schimon Peres eine Rede halten. Zudem befinde sich der Papst auf einer „Pilgerreise ohne politische Kennzeichen”.


 
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