Ermittlungen zu Brandursache laufen auf Hochtouren: Paraguay: Überlebende sollen Hergang klären
zuletzt aktualisiert: 04.08.2004 - 07:26Asunción/Berlin (rpo). Nach dem Flammeninferno in einem Einkaufszentrum in Paraguay ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 318 gestiegen. Ein Wachmann hat inzwischen Berichte über verschlossene Ausgänge bestätgt. Staatsanwalt Oscar Latorre rief alle Überlebenden auf, über den Hergang der Katastrophe zu berichten. Vor dem ausgebrannten Supermarkt wurde ein Stand für Befragungen eingerichtet.
Es handele sich um einen ortsansässigen 40-jährigen Mann und sein Baby. Die Regierung von Paraguay rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Präsident Nicarno Duarte forderte eine gründliche Untersuchung der Brandkatastrophe.
Die Polizei ging Hinweisen auf eine Gaskanister-Explosion als Auslöser des Brandes nach. Augenzeugen hätten berichtet, ein in der Lebensmittelabteilung detonierter Kanister könnte den Ausbruch des Feuers am Sonntag verursacht haben, erklärte ein Polizeisprecher. Die Behörden sprachen von der schlimmsten Tragödie in der Geschichte Paraguays seit mehr als einem halben Jahrhundert.
Zwei Inhaber des Supermarktes wurden in Gewahrsam genommen und verhört. Überlebende hatten in den Medien berichtet, dass einige Türen verschlossen waren. Von außen hätten Anwohner mit Brechstangen versucht, die Eingeschlossenen zu befreien. Die Geschäftsführung wies alle Vorwürfe zurück, sie habe Türen schließen lassen, um Plünderungen zu verhindern.
Staatsanwalt Oscar Latorre rief alle Überlebenden auf, über den Hergang der Katastrophe zu berichten. Vor dem ausgebrannten Supermarkt wurde ein Stand für Befragungen eingerichtet.
Viele der über 270 Verletzten erlitten schwere Verbrennungen, 70 befanden sich am Montag nach Angaben des Gesundheitsministeriums noch auf der Intensivstation. Als das Feuer in dem mehrgeschossigen Supermarkt Ycua Bolanos ausbrach, war das Geschäft voller Kunden. In der sengenden Hitze brach die Decke eines Stockwerks ein und stürzte auf die darunter liegende Tiefgarage. Flammen in der Garage schlossen Autofahrer in ihren Wagen ein, wie die Polizei berichtete.
Ein Überlebender, Francisco Barrios, sagte weinend: "Da waren Funken, als ob Feuerwerkskörper hochgingen. Der Laden fing schnell Feuer und füllte sich mit Rauch, und es brach eine völlige Verwirrung aus. Ich habe meine Frau und Kinder verloren, als ich nach draußen lief. Jetzt suche ich verzweifelt nach ihnen."
Soldaten brachten Wagenladungen von Särgen in die provisorischen Leichenhallen. Unter Tränen identifizierten Angehörige am Montagmorgen ihre toten Familienmitglieder. Der Unterricht in Asunción wurde abgesagt, zahlreiche Menschen strömten zum Blutspenden in die Krankenhäuser.
Anteilnahme in Deutschland
Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer übermittelten der Regierung und der Bevölkerung Paraguays ihre Anteilnahme. Köhler schrieb, er habe mit "großer Erschütterung" vernommen, dass rund dreihundert Menschen bei dem Unglück ihr Leben verloren haben. Auch Schröder äußerte seine tiefe Betroffenheit. Fischer erklärte, das Mitgefühl der Bundesregierung gelte in diesen schweren Stunden den Angehörigen und Freunden der Opfer. Auch Papst Johannes Paul II. sandte am Montag ein Kondolenzschreiben.
Die spanische Regierung kündigte die Entsendung von Hilfsgütern im Wert von 100.000 Euro vor allem zur medizinischen Versorgung der Verletzten an.
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