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Terror in Paris
Der Retter des Bataclan ist gefunden

Paris: Der Retter des Bataclan ist gefunden
FOTO: afp, eba
Düsseldorf. Das dramatische Video des französischen Journalisten Daniel Psenny zeigt eine junge Frau, die in ihrer Angst aus dem Fenster geklettert ist und sich an die Fassade des Bataclan klammert. Obwohl er selbst um sein Leben rennt, hält ein Mann inne und zieht sie hinein. Über Twitter suchte die junge Frau ihren Retter - und wurde fündig.  Von Lisa Kreuzmann

Auf einem der ersten Videos, die es vom Pariser Terroranschlag am Abend des 13. Novembers gab, filmte der französische Journalist der Tageszeitung Le Monde, Daniel Psenny, aus seiner Wohnung, wie einige Konzertbesucher aus dem Hinterausgang der Konzerthalle Bataclan flüchteten.

Darunter auch eine Frau, die aus dem Fenster geklettert war, um sich zu retten und nun etwa 15 Meter über der Straße an der Wand des Gebäudes hing.

Unter dem Hashtag #RechercheParis suchte sie nach dem Mann, der sie wieder hinaufgezogen hatte, als sie sich nicht mehr halten konnte. Am Montag vermeldete sie: gefunden! 

Die schwangere Frau überlebte genauso wie ihr Retter. Sein Name: Sébastien. In einem Interview mit der französischen Lokalzeitung "La Provence" schilderte Sébastien, wie er die Stunden der Geiselnahme erlebte. 

Mit seinem Freund wollte er am Freitagabend das Konzert der "Eagles of Death Metal" besuchen. Die beiden standen direkt vor der Bühne, als der erste Schuss fiel. Erst habe man den Knall für Feuerwerk gehalten, erzählte Sébastien in dem Interview. Doch schon beim zweiten Schuss hätten die Menschen begonnen zu schreien und er habe verstanden, dass etwas nicht stimme. Die Lichter im Konzertsaal wurden wieder angeschaltet, als sich Sébastien umsah, sah er zwei bis drei Männer mit Schnellschusswaffen.

"Die Typen schossen auf alle, die ihnen in den Weg kamen", sagte Sébastien der französischen Zeitung. "Alle haben sich auf den Boden geschmissen." Neben ihm wurde ein Mann am Kopf getroffen, erzählt der Überlebende. Sébastien wollte sich über die Bühne zu einem Notausgang retten. "Ich hatte Glück, dass einer von denen gerade nachladen musste, so konnte ich auf die Bühne fliehen", sagte Sébastien. Doch er fand den Notausgang nicht und lief weiter in Richtung Empore der Konzerthalle.

So wurde die schwangere Frau gerettet

Dort versteckte er sich hinter einer Abluftöffnung, als er die Schreie der Frau hörte, die an der Fassade des Bataclan hing. Die Frau habe die Menschen auf der Straße angefleht, sie aufzufangen, wenn sie loslasse. Doch dort herrschte Chaos, erzählte Sébastien. Nach fünf Minuten habe er die Frau dann wieder heraufgezogen, weil sie sich nicht mehr festhalten konnte. "Ich weiß nicht wo sie dann hingegangen ist", sagte er.

Dann spürte er den Gewehrlauf einer Schnellschusswaffe an seinem Bein. Einer der Terroristen forderte ihn auf, sich auf den Boden zu legen. Mit etwa 15 weiteren Geiseln habe er nun ausharren müssen. Die Terroristen hätten von der Empore auf die Menschen am Boden geschossen und gesagt: "Wir sind da, um euch dasselbe Leid zuzufügen, das die Unschuldigen in Syrien erleiden müssen. Ihr sollt die Angst verspüren, die die Leute in Syrien jeden Tag erleiden müssen. Und das ist erst der Anfang. Wir massakrieren die Unschuldigen."

"Sie wirkten nicht sehr organisiert und sprachen untereinander Französisch", sagte Sébastien. Um sich zu verbarrikadieren, hätten die Terroristen zwei Menschen als Schutzschilder vor die Tür gesetzt.

So vergingen die längsten Minuten seines Lebens, sagte Sébastien. Dann habe das Sonderkommando die Tür mit einem Rammbock eingestoßen und eine Blendgranate in den Raum geworfen. "Als ich eine zweite Blendgranate fliegen sah, wusste ich, das ist der Zeitpunkt wegzurennen. Als das Kommando stürmte, wurde ich niedergetreten, aber das war der glücklichste Schmerz meines Lebens, denn ich wurde gerettet genauso wie mein Freund, den ich später gefunden habe."

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