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Flüchtlinge
Tretende Kamerafrau will gegen Facebook klagen

Petra László will nach Tritten gegen Flüchtlinge gegen Facebook klagen
Dieses Bild ging um die Welt: Die Kamerafrau Petra László tritt Flüchtlinge. FOTO: AP Grafik rpo
Düsseldorf. Sie stellte einem flüchtenden Vater mit Kind auf dem Arm ein Bein und verlor daraufhin ihren Job. Jetzt will die ungarische Kamerafrau Petra László gegen Facebook klagen. Sie wirft dem sozialen Netzwerk ein mangelhaftes Krisenmanagement vor. Von Vassili Golod

Petra László wurde in der Flüchtlingskrise ganz plötzlich zur unfreiwilligen Protagonisten. Die Kamerafrau war gerade im Einsatz, als Flüchtlinge an der ungarischen Grenze eine Polizeisperre durchbrachen. Doch anstatt mit ihrer Kamera die Szenen zu drehen, drehte die Frau durch: Immer wieder streckte sie gezielt ihr Bein aus und ließ Menschen darüber stolpern – in einigen Fällen hat sie sogar nach ihnen getreten. Die Frau wurde daraufhin von ihrem Arbeitgeber N1 TV gefeuert.

Gewaltiger Shitstorm

Das sei alles ein großes Missverständnis, sagt Petra László jetzt in einem Interview mit der russischen Zeitung "Izvestia". "Ich wollte einfach nur den Polizisten helfen", sagt die Kamerafrau und bestreitet den Flüchtlingen ein Bein gestellt zu haben. Diverse TV-Bilder beweisen allerdings das genaue Gegenteil. Hier eines der Videos, das den Tritt zeigt, in diesem Fall von RTL-Reporter Stephan Richter.

Vor allem in den sozialen Netzwerken wurde László von einem gewaltigen Shitstorm überrollt. "Ich habe versucht keine Mails mehr zu lesen und nicht mehr auf Facebook zu gehen. Die ganze Welt hat mir den Rücken zugewandt, alle haben mich verurteilt", erzählte sie dem russischen Medium. Die Kamerafrau ist enttäuscht über die Kritik von RTL, der Washington Post und der gesamten linken Presse, wie sie es ausdrückt. Vor allem in den sozialen Netzwerken habe sich der Hass radikalisiert – bis hin zu Morddrohungen.

"Eine Frage der Ehre"

"Wir sind der Meinung, dass Facebook eine zentrale Rolle in meiner jetzigen Situation gespielt hat. Das Netzwerk hat maßgeblich zu der Hetze gegen mich beigetragen", sagt László. "Wir wollen gegen das soziale Netzwerk klagen. Das steht fest und ist für meinen Mann eine Frage der Ehre." Sie sei sauer, dass Facebook Unterstützergruppen innerhalb weniger Stunden gelöscht hat, Hassgruppen und Fake-Profile aber bis heute existieren, erzählt László.

Die Kamerafrau hat noch immer große Angst um ihr Leben und erwägt nach dem Gerichtsverfahren gegen sie das Land zu verlassen – nach eigenen Angaben wohl in Richtung Russland.

Fotos: Sohn des Flüchtlings läuft mit Ronaldo ein FOTO: dpa, dcm mr

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