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Eine ungewöhnliche Freundschaft
Pinguin besucht Jahr für Jahr seinen Lebensretter

Rio de Janeiro. Fünf Jahre ist es her, dass der Brasilianer Joao Pereira de Souza einem Pinguin das Leben rettete – der Beginn einer Freundschaft, die 4000 Kilometer überwindet. Denn seitdem besucht der Pinguin seinen Retter jedes Jahr. Von Christina Rentmeister

Als Joao Pereira de Souza im Jahr 2011 den kleinen Magellan-Pinguin am Strand einer Insel vor Rio de Janeiro fand, war das Tier fast tot und sein gesamtes Gefieder mit Öl verklebt, berichtet der "Independent". De Souza zögerte damals bei dem traurigen Anblick nicht lange, nahm das Tier mit nach Hause und wusch das Öl ab.

Danach päppelte der inzwischen 71-jährige Maurer den Pinguin, den er Dindim nennt, wieder auf - fütterte ihn. Nach einer Woche versuchte de Souza, das Tier im Meer wieder auszuwildern. Aber Dindim wollte seinen neuen Freund nicht verlassen, sagte de Souza im Interview mit dem brasilianischen Fernsehsender Globo TV: "Er blieb etwa elf Monate bei mir."

Als der Pinguin dann sein Gefieder gewechselt hatte, sei er plötzlich verschwunden. Sein Lebensretter war sich sicher, dass er Dindim nicht mehr wieder sehen würde. Denn Magellan-Pinguine leben an der Küste Patagoniens in Argentinien und Chile – etwa 4000 Kilometer entfernt vom Fundort des kleinen Dindim.

Für die Futtersuche schwimmen die Pinguine aber durchaus mehrere tausend Kilometer Richtung Norden. Zwischen 2010 und 2013 beobachteten Meeresforscher vermehrt Magellan-Pinguine an der brasilianischen Küste.

Einige Monate später wartete am Strand eine Überraschung auf den Maurer und Hobby-Fischer. Dindim war zurück. Er erkannte seinen Lebensretter und folgte ihm nach Hause. Und das tut er seither jedes Jahr wieder.

Für einen Besuch bei seinem besten Freund scheint der Pinguin die lange Reise gerne auf sich zu nehmen.  "Er kommt immer im Juni und schwimmt im Februar wieder nach Hause. Und jedes Jahr wird er noch anhänglicher, und es kommt mir so vor, als sei er auch glücklicher, mich zu sehen", sagt der Rentner. 

Kein Wunder, bekommt er doch bei de Souza jede Menge Kuscheleinheiten und Aufmerksamkeit. "Ich liebe diesen Pinguin, als wäre er mein eigenes Kind, und ich glaube, dass der Pinguin auch mich liebt", sagt der Brasilianer im Interview mit Globo TV. "Niemand sonst darf ihn anfassen. Er pickt sofort nach ihnen, wenn sie es tun. Bei mir aber legt er sich auf meinen Schoß, lässt sich baden, und natürlich darf ich ihn mit Sardinen füttern."

Magellan-Pinguine gelten generell als sehr zutraulich. Menschen können sich ihnen in der Regel nähern, ohne dass die Tiere fliehen oder drohen. Sie sind auch für ihre Treue bekannt. Sie bleiben ein Leben lang bei ihrem Partner.

Dass der allerdings ein Mensch ist, ist eher selten. Denn eine so enge Beziehung zu einem Menschen, wie die von Dindim zu seinem Lebensretter sei auch für Magellan-Pinguine ungewöhnlich, sagt der Fernseh-Biologe Joao Paulo Krajewski: "Ich habe so etwas noch nie gesehen. Ich glaube, der Pinguin denkt, dass de Souza ein Teil seiner Familie ist."

Und die kann er im besten Fall noch viele Jahre besuchen. Denn Magellan-Pinguine werden bis zu 25 Jahre alt.

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