Diskussionen um Bischof Williamson: Pius-Bruderschaft: "Richtige Richtung"
zuletzt aktualisiert: 27.02.2009 - 10:57Stuttgart (RPO). Nachdem der umstrittene Bischof Richard Williamson seine Aussagen über den Holocaust am Mittwoch revidiert hat, erhält der katholische Geistliche nun Zustimmung von der Pius-Bruderschaft. Diese wertet den neuen Standpunkt Williamsons als "Schritt in die richtige Richtung".
Die weitere Entwicklung werde zeigen, ob die Aussage ausreiche, sagte der Sprecher der Pius-Bruderschaft, Matthias Gaudrom, am Freitag in Stuttgart. Am Donnerstag hatte sich Williamson entschuldigt und mitgeteilt, er habe nur die Meinung eines Nicht-Historikers geäußert, die sich auf die verfügbaren Erkenntnisse von vor 20 Jahren gestützt habe. Er bitte alle, die sich aufgrund seiner Worte "aufrichtig entrüstet haben, vor Gott um Vergebung".´
Der Zentralrat der Juden wies die Aussagen als "verkorkste Erklärung" zurück. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, erklärte die Entschuldigung zu einem "Bedauern dritter Klasse".
"Williamson zieht seine verlogenen Thesen zum Holocaust und dessen Leugnung ja auch keineswegs zurück, er bedauert doch nur, dass seine Worte schädlich gewirkt haben", sagte Graumann am Donnerstag im Gespräch mit "Handelsblatt.com".
Williamson entschuldigt sich
Williamson habe zudem erklärt, seine Meinung sei vor 20 Jahren "aufgrund der damals vorhandenen Beweise" gebildet worden. "Als ob vor 20 Jahren die Existenz des Holocaust in Zweifel gestanden habe", empörte sich Graumann und fügte hinzu: "Nein: Diese durch und durch verkorkste Erklärung von Williamson nimmt leider überhaupt nichts zurück, sie lässt vielmehr den Schluss zu, er halte die Holocaust-Leugnung, die er ja schon seit Jahrzehnten pathologisch auslebt, weiter aufrecht."
Für Graumann ist das Thema damit "keineswegs vom Tisch, sondern aktueller als je zuvor". Er äußerte in diesem Zusammenhang abermals scharfe Kritik an Papst Benedikt XVI., der die Exkommunikation von Williamson trotz der Holocaust-Leugnung wie auch die von drei weiteren traditionalistischen Bischöfen der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft zurückgenommen hatte. "Diese fatale Fehlentscheidung des Vatikan hat bedauerlicherweise weiter Bestand", sagte Graumann.
Nach Ansicht des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, ist die Entschuldigung "in keiner Weise befriedigend". Selbst wenn Williamson seine Aussagen über den Holocaust eindeutig widerrufen hätte, müsste man sich fragen, wie ein erwachsener Mensch sich so leichtfertig in einer so fundamentalen Frage wie der Existenz von Gaskammern in Auschwitz äußern könne, sagte Meyer dem Berliner "Tagesspiegel". "So jemand darf keine Verantwortung tragen."
Williamson hatte vor rund vier Monaten behauptet, dass es für die Existenz von Gaskammern keine historischen Beweise gebe und dass nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 Juden von den Nazis ermordet worden seien.
Der Vatikan und der Papst distanzierten sich deutlich von Williamsons Aussagen und forderten ihn auf, diese zu widerrufen. Die Leitung der Pius-Bruderschaft enthob Williamson seiner Ämter und belegte ihn mit einem Redeverbot. Williamson musste aus Argentinien ausreisen und ist in seinem Heimatland Großbritannien untergetaucht.
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