Bischof greift Priesterbruderschaft an: Pius-Brüder stellen den Papst bloß
VON REINHOLD MICHELS - zuletzt aktualisiert: 15.06.2009 - 20:32Düsseldorf (RP). Der Weihbischof im Erzbistum Hamburg, Hans-Jochen Jaschke, hat die ultrakonservative Priesterbruderschaft Sankt Pius X. ("Pius-Bruderschaft") ungewöhnlich scharf angegriffen. Wenige Tage bevor am 27. Juni im Pius-Priesterseminar Zaitzkofen bei Regensburg je drei Männer zu Priestern und Diakonen geweiht werden sollen, sagte Jaschke gestern gegenüber unserer Redaktion: "Damit stellen diese Leute den Papst öffentlich bloß, und sie bringen Benedikt XVI. in eine schlimme Situation."
Mit den aus Sicht der Katholischen Kirche unrechtmäßigen "Handlungen" schlagen die Pius-Brüder nach Ansicht des Hamburger Weihbischofs jedem Gutwilligen ins Gesicht.
Auf die Frage, ob die vom Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller bereits folgenlos untersagten Weihehandlungen in einem Festzelt am 27. Juni den Papst dazu bewegen könnten, die von ihm verfügte Aufhebung der Exkommunikation von vier Pius-Bischöfen rückgängig zu machen, meinte Jaschke: "Der Papst hat den vier Bischöfen mit der Aufhebung der Exkommunikation die Hand zur Versöhnung ausgestreckt, ein Zurückziehen wirkte kleinkariert." Im übrigen könne der Papst nun nicht nach der Devise "rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln" vorgehen.
Der Hamburger Weihbischof unterstützte die seit längerem von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz vertretene Auffassung, dass nach dem geplanten Affront gegen Papst und Kirche nunmehr der Vatikan am Zuge sei. Jaschke erwartet, dass die mittlerweile zuständige vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre (der jetzige Pontifex war 23 Jahre lang deren Präfekt) große Schwierigkeiten haben werde, die uneinsichtige Pius-Bruderschaft zur Vernunft, sprich zur Aussöhnung mit den Grundsätzen des Zweiten Vaticanums und den folgenden Lehren der Päpste zu bringen.
Durch ihr Verhalten provoziere die Pius-Bruderschaft den Widerstand der großen Mehrheit in der Kirche zur Aussöhnung. Jaschke sagte voraus, dass die Pius-Bruderschaftler mit allen Tricks versuchen würden, eine windelweiche Position Roms zu erreichen. Die Glaubenskongregation könne und werde sich aber nicht erlauben, in dieser Angelegenheit zu pfuschen.
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