| 18.40 Uhr

Nach dem Beben in Chile
Plünderungen behindern Rettungsarbeiten

Starkes Erdbeben in Chile
Starkes Erdbeben in Chile FOTO: AP
Concepción (RPO). Zwei Tage nach der Erdbebenkatastrophe in Chile haben Helfer unter den Trümmern eines Hochhauses fieberhaft nach Überlebenden gesucht, die sich durch Klopfzeichen bemerkbar gemacht haben. Wegen Plünderern gerieten die Bergungsarbeiten vorübergehend ins Stocken.

Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet beauftragte das Militär, in den Katastrophenregionen die Sicherheit, aber auch die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Zudem verhängte sie ein nächtliches Ausgehverbot. Sie reagierte damit auf eine Plünderungswelle in Concepción. Bis Montagmorgen wurden nach amtlichen Angaben in Concepción 55 Personen verhaftet, die sich nicht an das Ausgehverbot hielten.

Ziel von Plünderungen wurden vor allem Supermärkte. An dem eingestürzten Hochhaus in Concepción musste die Feuerwehr sogar zeitweilig die Bergung von Überlebenden einstellen, weil die Polizei Tränengassalven auf Menschen abfeuerte, die massenhaft Waren aus einem halb zerstörten Supermarkt in der Nähe davontrugen.

Als die Polizei mit Tränengas gegen Plünderer vorging, wollte die Feuerwehr gerade einen Retter tiefer in den Trümmerberg schicken. Das musste wegen des Reizgases abgebrochen werden. Später wurden die Rettungsarbeiten dort fortgesetzt. Rettungstrupps bohrten Löcher in die dicken Wände, um zu den Verschütteten vorzudringen.

"Es gibt noch Überlebende", sagte ein Polizeioffizier, Jorge Guerra. "Es werden noch Leute gerettet." Bis Montag wurden 25 Menschen lebend aus dem Trümmern des 15-geschossigen Gebäudes geborgen, außerdem fanden die Helfer acht Tote.

EU stellt drei Millionen Euro Soforthilfe bereit

Chile wurde am Samstag von einem verheerenden Erdbeben der Stärke 8,8 getroffen, eine halbe Stunde später zerstörte ein Tsunami mehrere Küstenorte. Insgesamt kamen mindestens 708 Menschen ums Leben. Verteidigungsminister Francisco Vidal räumte ein, dass die Marine einen großen Fehler gemacht habe, weil sie nicht sofort eine Tsunami-Warnung herausgegeben habe. Hafenkapitäne in mehreren Küstenstädten hätten dies aber gemacht und so hunderte Menschenleben gerettet.

Die Vereinten Nationen, die Europäische Union, Deutschland und die USA sagten Chile Katastrophenhilfe zu. Die UN-Sprecherin für humanitäre Hilfe in Genf, Elisabeth Byrs, erklärte, einer chilenischen Bitte entsprechend würden Behelfsbrücken, Feldlazarette, Satellitentelefone, Generatoren, Wasseraufbereitungsanlagen, Feldküchen und Dialyse-Zentren geliefert. Zudem würden Experten zur Einschätzung der Schäden entsandt. "Wir sind bereit", sagte Byrs.

Die EU-Kommission stellte für die Versorgung der Erdbebenopfer in Chile drei Millionen Euro Soforthilfe bereit. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte Bachelet in einem Telefonat zusätzliche deutsche Nothilfe zu. US-Außenministerin Hillary Clinton wird am Dienstag zu einem seit längerem geplanten Besuch in Santiago erwartet. Sie sicherte Chile die Lieferung von Kommunikationsausrüstung zu.

Nach dem schweren Erdbeben gab die Tsunami-Warnzentrale auf Hawaii einen Alarm für 53 Pazifik-Anrainerstaaten heraus. Allerdings blieben die Auswirkungen dort begrenzt, und es wurden keine weiteren Opfer aus Australien, Tonga, Japan, Russland oder Hawaii gemeldet.

(apd/felt)
 
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