US-Staatsanwaltschaft wehrt sich gegen Kritik: Polanski stellt Antrag auf Haftentlassung
zuletzt aktualisiert: 29.09.2009 - 14:33Zürich (RPO). Am Dienstag hat der in der Schweiz inhaftierte Star-Regisseur Roman Polanski einen Antrag auf Haftentlassung gestellt. Die Entscheidung darüber soll innerhalb der nächsten Wochen ergehen, teilte das Bundesstrafgericht in Bellinzona mit.
Beide Seiten können gegen einen Bescheid dann noch Widerspruch einlegen. Polanski sitzt seit Samstag auf Ersuchen der USA wegen des sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen im Jahr 1977 in Auslieferungshaft.
Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles wehrte sich unterdessen gegen Kritik, das Missbrauchsverfahren gegen Polanski nicht korrekt geführt zu haben. Es sei unzutreffend, dass sie sich nicht um die Verhaftung des Filmemachers bemüht habe, seit dieser 1978 geflüchtet sei, erklärte die Justizbehörde am Montag.
Die Staatsanwaltschaft veröffentlichte eine Liste über die mehrfachen Versuche, die Verhaftung Polanskis im Ausland zu erreichen. Zuletzt sei dies im Jahre 2007 mit einem an Israel übermittelten Haftbefehl geschehen. Zuvor habe man sich unter anderem in England, Thailand und Frankreich um die Festnahme des Regisseurs bemüht.
Polanskis Anwälte hatten in einer im Juli dieses Jahres eingereichten Eingabe an ein Gericht in Kalifornien erklärt, die Staatsanwaltschaft von Los Angeles habe sich in den vergangenen 30 Jahren nicht um die Auslieferung Polanskis bemüht. Die Anwälte werfen dem damals zuständigen Richter vor, er habe sich nach dem Schuldbekenntnis Polanskis nicht an eine Vereinbarung über das Strafmaß gehalten.
Festnahme verzögert neuesten Film mit Pierce Brosnan
Polanskis US-Agent Jeff Berg sagte, die Verhaftung in der Schweiz sei sehr ungewöhnlich, nachdem der Regisseur den Sommer in seinem Haus in Gstaad verbracht habe. Zuvor habe er in aller Öffentlichkeit über sechs Monate hinweg in Deutschland den Film "The Ghost" gedreht.
Die Veröffentlichung des neuesten Films mit Pierce Brosnan in der Hauptrolle wird sich nun voraussichtlich auf unbestimmte Zeit verzögern. Polanski habe den Großteil der Nachbearbeitung abgeschlossen, aber eben nicht alles, sagte Berg. In Deutschland und Frankreich sind für den Streifen auf der Grundlage eines Buchs von Stephen Harris bereits Verträge für den Filmverleih abgeschlossen, in den USA noch nicht.
Das US-Außenministerium in Washington wollte sich nicht zu der Sache äußern. Die Rolle des Ministeriums beschränke sich darauf, das von Kalifornien vorbereitete formelle Auslieferungsgesuch darauf zu prüfen, ob es die Bedingungen des bilateralen Auslieferungsvertrags mit der Schweiz erfülle, sagte ein Sprecher. Die Außenminister Frankreichs und Polens hatten ihre US-Kollegin Hillary Clinton schriftlich ersucht, sich für eine Begnadigung Polanskis einzusetzen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum