Jusitizministerin im Interview: Politik in Schweiz wird Polanski nicht helfen
zuletzt aktualisiert: 30.09.2009 - 08:33Zürich (RPO). Die Schweizer Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf sieht keinen Platz für politische Einflussnahme im Fall Roman Polanski. Dies sei grundsätzlich so, wenn das polizeiliche und juristische Verfahren laufe.
Sie selber sei am Freitag vergangener Woche gegen Abend vom zuständigen Bundesamt darüber informiert worden, dass es am Wochenende zur Festnahme Polanskis kommen könnte, sagte die Ministerin in einem Interview der "Neuen Zürcher Zeitung" weiter.
Der Regisseur Roman Polanski war am Wochenende in Zürich aufgrund eines Haftbefehls verhaftet worden. Der heute 76-Jährige hat demnach 1977 in den USA eine 13-Jährige vergewaltigt. Vor einer Urteilsverkündung setzte sich Polanski 1978 nach Europa ab und lebte seitdem in Paris.
Der Fall Polanski sei bei Widmer-Schlumpfs Kontakten mit den USA in den vergangenen Monaten nie ein Thema gewesen, erklärte die Ministerin. Dass sie über eine Verhaftung überhaupt im Voraus informiert worden sei, sei eine Ausnahme. Dies sei geschehen, weil es sich hier um einen besonderen Fall handle, der Reaktionen auf der politischen Ebene auslöse.
Kein Grund, Haftbefehl nicht zu vollstrecken
Widmer-Schlumpf bekräftigte außerdem, es habe keinen Grund gegeben, den Haftbefehl der USA nicht zu vollziehen. Bei einem gültigen Schweizer Haftbefehl würde die Schweiz von jedem anderen Land dasselbe Vorgehen erwarten. Zur Frage, wieso Polanski trotz häufigen Aufenthalten in der Schweiz nicht schon früher verhaftet wurde, sagte Widmer-Schlumpf, die Polizei könne den zahllosen offenen Haftbefehlen aus anderen Ländern nicht aktiv nachgehen. Wenn aber die Polizei des suchenden Staates zusätzlich zum Haftbefehl konkrete Informationen übermittle, die eine Festnahme erlaubten, habe die Polizei des Ziellandes zu handeln.
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