Nonnen-Revolution: Polizei räumt polnisches Kloster
zuletzt aktualisiert: 10.10.2007 - 13:00Kazimierz Dolny (RPO). In einem kleinen Ort westlich von Lubin hat die polnische Polizei am Mittwoch unter starkem Einsatz ein Kloster geräumt. 65 revoltierende Nonnen hatten sich in den Gemäuern eingeschlossen.
Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP aus Kazimierz Dolny berichtete, waren an dem Einsatz mehr als 150 Polizisten beteiligt. Als erstes transportierten sie eine Frau mit einem Rettungswagen ab, die ein acht Monate altes Baby bei sich hatte. Über die Herkunft des Babys konnte die Polizei keine Auskunft geben.
Die Nonnen der Kongregation der Schwestern der Familie von Bethanien widersetzen sich seit 2005 der Abberufung ihrer Oberin, der charismatischen Jadwiga Ligocka. Sie brachen in dem Konflikt jeden Kontakt zur Außenwelt ab und verbarrikadierten sich in dem historischen Klostergemäuer.
Im Dezember 2006 schloss der Vatikan die aufständischen Nonnen aus dem Orden aus. Die Ordenshierarchie wandte sich gegen die Oberin des Klosters, die für sich in Anspruch nimmt, von "Offenbarungen" inspiriert zu werden.
"Ich weiß nicht, was mit meiner Tochter ist", sagte die Mutter einer 23-jährigen Ordensfrau. "Seit Monaten habe ich keinen Kontakt mehr zu ihr." In dem Kloster soll sich zuletzt auch der Franziskaner-Pater Roman Komaryczko aufgehalten haben. Über seine Rolle gab es keine gesicherten Erkenntnisse.
Ein Gericht in Pulawy beschloss im Frühjahr, dass das Kloster bis zum 10. Oktober geräumt werden müsse. An dem Polizeieinsatz waren auch Psychologen und Beauftragte der katholischen Kirche, Ärzte und Feuerwehrleute beteiligt. Als die Tür des Klosters aufgebrochen wurde, saßen die Nonnen beisammen und sangen, begleitet von Gitarren-Klängen. Einige beschimpften die Eindringlinge.
Die Kongregation der Schwetern der Familie von Bethanien wurde in Polen 1930 gegründet. Sie ist dem Kapuzinerorden angegliedert.
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