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Britische Polizei schaltet Interpol ein: Prostituiertenmörder auf europäisches Festland abgesetzt?

zuletzt aktualisiert: 17.12.2006 - 16:28

Ipswich (RPO). Bei ihrer Suche nach dem Prostituiertenmörder von Ipswich hat die britische Polizei Interpol eingeschaltet. Es bestehe der Verdacht, dass sich der Täter ins Ausland abgesetzt habe oder dass er ohnehin vom europäischen Festland stamme und mittlerweile wieder dorthin zurückgekehrt sei, berichtete die britische Zeitung "Observer" am Sonntag.

Die Polizei wertete nach eigenen Angaben fast 10.000 telefonische Hinweise aus der Bevölkerung aus. 60 davon bezogen sich auf im Fernsehen gezeigte Filmaufnahmen der ermordeten Anneli Alderton, die eine Überwachungskamera in einem Zug am 3. Dezember gemacht hatte.

Der Chefermittler Stewart Gull sagte auf einer Pressekonferenz am Sonntag, die Polizei hoffe, dass die von Alderton auf den Bildern getragenen Kleidungsstücke auftauchten. Dieser Frage gehe ein eigens gebildetes Polizeiteam nach. Alderton trägt auf den Filmaufnahmen ein schwarze Jacke mit Fellkapuze, darunter ein graues Oberteil und Bluejeans. Außerdem hatte sie eine glänzende Schultertasche aus Nylon dabei. Aldertons Leiche war die der anderen vier ermordeten Prostituierten nackt gefunden worden. Die 24-jährige Alderton war nach Polizeiangaben im dritten Monat schwanger. Die Tatsache sei für die Ermittlungen aber ohne Bedeutung.

Laut Gull verstärkten 360 zusätzliche Polizisten aus dem ganzen Land, einschließlich Nordirland, die Polizeikräfte in der Grafschaft Suffolk, so dass nun ingesamt 500 Polizisten in die Ermittlungen eingeschaltet seien. Die Polizei sei unter anderem dabei, 10.000 Stunden Videomaterial von Überwachungskameras zu sichten. Die Vize-Polizeichefin von Suffolk, Jacqui Cheer, sagte, die Polizei gehe derzeit der Frage nach, was die fünf ermordeten Frauen in ihren letzten Stunden unternommen hatten. Damit werde das "Herzstück des Puzzles" gefüllt.

"50 bis 100 Verdächtige"

In Kirchen in ganz Suffolk wurde am Sonntag für die ermordeten Frauen gebetet. 25.000 Fußballfans legten am Samstag in Ipswich vor dem Spiel gegen Leeds United eine Schweigeminute für die Opfer ein.

Am Freitag hatte die Polizei erklärt, dass alle fünf Opfer desselben Serientäters geworden seien. Die Frauen hätten sich untereinander gekannt. Alle seien drogenabhängig gewesen. Die "Times" berichtete in ihrer Samstagausgabe, die Polizei halte es für "sehr bedeutend", dass keines der Opfer Spuren eines Kampfes aufweise. Auch sei keine der Frauen vor ihrer Ermordung sexuell misshandelt worden.

Der "Observer" berichtete, die Polizei suche nicht mehr nach einer Tatwaffe, sondern vermute, dass der Mörder die Frauen mit bloßen Händen getötet habe. Cheer sagte dem Rundfunksender BBC, die Ermittlungen richteten sich derzeit gegen "50 bis 100 Verdächtige". Am Samstag hatte die "Times" berichtet, die Polizei habe "eine kleine Anzahl von Einzelpersonen im Blick". In der "Sun" hieß es, unter anderm sollten ein Taxifahrer, ein Geschäftsmann und ein Mann mit einer Vorliebe für Sex im Freien verhört werden. Alle drei seien Kunden der ermordeten Prostituierten Tania Nicol gewesen.

Die Serienmorde haben nicht nur das sonst eher beschauliche Ipswich mit seinen 140.000 Einwohnern in Aufregung versetzt. Die Polizei startete eine der größten Mordfahndungen, die das Land je erlebt hat. Britische Medien vergleichen den Mörder mit "Jack the Ripper", der 1888 in London fünf Prostituierte tötete, und mit dem "Yorkshire Ripper" Peter Sutcliffe, der zwischen 1975 und 1980 ebenfalls Prostituierten nachstellte und insgesamt 13 Frauen umbrachte.

Quelle: afp

 
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