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Prozess gegen mexikanischen Drogenboss
El Chapo steht womöglich ohne private Anwälte vor Gericht

Prozess gegen mexikanischen Drogenboss - El Chapo steht womöglich ohne private Anwälte vor Gericht
Der mexikanische Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán wird von Polizisten eskortiert. Er ist in 17 Punkten angeklagt und könnte zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden. FOTO: dpa
New York. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe, und doch muss der mexikanische Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán in seinem bevorstehenden Strafprozess möglicherweise ohne seine privaten Anwälte auskommen.

Weil die USA bisher offen lassen, ob sie deren Honorare im Fall seiner Verurteilung beschlagnahmen würden, sind ihnen eigener Aussage zufolge die Hände gebunden. Die Regierung befürchtet, dass Guzmán sie mit Erlösen aus mutmaßlichem Drogenschmuggel bezahlt. Von den schätzungsweise 14 Milliarden Dollar (11,9 Mrd Euro) aus mutmaßlichem Drogenhandel fehlt den US-Behörden weiterhin jede Spur. "Der Mann hat ein Recht auf einen Anwalt seiner Wahl", sagte Guzmáns Anwalt Jeffrey Lichtman nach einer Gerichtsanhörung in New York am Montag.

Die Regierung könnte die Honorare auch beschränken und es den Anwälten erschweren, ein größeres Team zusammenzustellen. Bisher wird Guzmán von seinen Pflichtverteidigern Michelle Gelernt und Michael Schneider vertreten.

Richter Brian Cogan macht Druck 

Richter Brian Cogan machte der Staatsanwaltschaft am Montag Druck, die große Menge an Beweismittel schneller durchzuarbeiten. Zwölf Staatsanwälte und deren Assistenten saßen an einem Tisch im Saal. "Vermutlich arbeitet das Doppelte oder Dreifache im Hintergrund. Nutzen Sie sie", forderte Cogan.

Hier versteckte sich El Chapo FOTO: afp, AE/pa

Die privaten Anwälte fürchten, angesichts der Menge an Beweismitteln und ohne die Zusage, ihre Honorare behalten zu können, nicht rechtzeitig in den Prozess einsteigen zu können. "Man geht nicht einfach in so einen Fall und fängt mit dem Kreuzverhör an", sagte Lichtman nach der Anhörung.

Anwälte vertraten schon andere Mafia-Bosse 

Lichtman und seine Kollegen Eduardo Balarezo, Marc Fernich und William Purpura haben reichlich Erfahrung in Verfahren zu Drogenschmuggel und Prozessen gegen die Mafia. Lichtman hatte den prominenten New Yorker Mafia-Boss John Gotti vertreten, der mehrere Mordklagen abschüttelte und sich damit den Spitznamen "Teflon-Don" erwarb (Gotti starb 2002 im Gefängnis an den Folgen einer Krebserkrankung).

Ob Guzmán auf eigene Anwälte zählen kann, könnte sich am Donnerstag entscheiden, wenn er erstmals seit seiner Auslieferung an die USA im Januar Besuch von einem Familienmitglied bekommt. Bei dem zweistündigen Besuch im Gefängnis in Manhattan hört die Regierung allerdings mit, vertrauliche Informationen zu mutmaßlich versteckten Geldern könnte Guzmán also nur schwer weiterreichen.

Die Anhörung am Montag dauerte 15 Minuten, der nächste Termin ist für den 6. November geplant. Der Prozess soll im April 2018 beginnen.

(beaw/dpa)
 
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