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Protokoll des Tages
Der Putschversuch gegen Erdogan und seine Folgen

Bilder: Putsch in der Türkei
Bilder: Putsch in der Türkei FOTO: ap, LP
Ankara/Istanbul. Mindestens 265 Menschen sind nach Regierungsangaben in der Nacht zu Samstag bei Zusammenstößen zwischen Putschisten und Erdogan-Anhängern in der Türkei gestorben. Es gab mehrere tausend Verhaftungen in Justiz- und Militärapparat. In unserem Protokoll des Tages können Sie die Geschehnisse bis zum Samstagabend nachlesen. Von Rainer Leurs, Ludwig Krause, Judith Conrady und Uwe Felten

  • Mehr als 1500 Militärangehörige festgenommen
  • Schwere Schäden am Parlament
  • Auswärtiges Amt rät zur Vorsicht
  • Behörden entlassen 2700 Richter
  • Gerüchte um Lynchmorde
  • 7/16/16 6:01 PM
    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan fordert von den USA die Auslieferung oder Festnahme des Predigers Fethullah Gülen. Erdogan wandte sich mit seiner Forderung direkt an US-Präsident Barack Obama. Wenn die USA und die Türkei tatsächlich strategische Partner seien, müsse Obama handeln, sagte der türkische Präsident bei einer Ansprache vor Anhängern in Istanbul am Samstagabend.
  • 7/16/16 5:40 PM
    Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hat angedeutet, dass die Regierung nach dem Putschversuch die Wiedereinführung der Todesstrafe prüft. Bei einem Auftritt in Ankara skandierten Anhänger am Samstag: "Wir wollen die Todesstrafe! Wir wollen die Todesstrafe!" Yildirim sagte darauf: "Eure Botschaft ist bei uns angekommen. Das Nötige wird veranlasst." Die Türkei hatte die Todesstrafe vor mehr als zehn Jahren abgeschafft.

  • 7/16/16 5:35 PM
    Die Lufthansa hat für Sonntag die Wiederaufnahme des regulären Flugverkehrs in die Türkei angekündigt. Man werde weitgehend zum normalen Flugplan zurückkehren, teile die Fluggesellschaft am Samstagabend mit. Die Ziele Istanbul und Antalya von Frankfurt sowie Ankara, Izmir und Bodrum von München aus würden bedient. Gestrichen würden nur der erste Ankara-Flug aus München sowie der erste Flug von Istanbul nach Deutschland.
  • 7/16/16 5:23 PM
    Am Abend ist offenbar einer der führenden Generäle festgenommen worden. Wie ein Regierungsvertreter in Ankara sagte, wurde "General Erdal Oztürk, Kommandeur der Dritten Armee, festgenommen". Weitere Angaben machte der Vertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, nicht.

    Zudem ist auch der Kommandeur der zweiten Armee festgenommen worden. General Adem Huduti sei im Rahmen der Ermittlungen in Gewahrsam, ebenso wie zwei Brigadegenerale und ein Garnisonskommandeur, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.
  • 7/16/16 4:51 PM
    Die acht türkischen Soldaten, die sich per Hubschrauber nach Griechenland abgesetzt und dort politisches Asyl beantragt haben, sollen nach türkischer Darstellung bald wieder zurückgeschickt werden. Der griechische Außenminister Nikos Kotzias habe ihm am Telefon die Auslieferung "der acht Verräter" in kürzester Zeit zugesagt, teilte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Samstag auf Twitter mit. Athen bestätigte das Telefonat, äußerte sich aber zurückhaltender. Für die Soldaten, die offenbar am Putschversuch beteiligt waren, würden die internationalen Regeln gelten, sagte der Sprecher des griechischen Außenministeriums, Stratos Efthymiou, der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich ließ Athen die Möglichkeit einer Auslieferung offen: "Es wird sehr ernst genommen, dass die Festgenommenen in ihrem Land der Verletzung der Verfassungslegalität und des Versuches, der Demokratie zu schaden, beschuldigt werden", heißt es in einer Erklärung des griechischen Außenministeriums.

  • 7/16/16 4:37 PM

    Einem Medienbericht zufolge soll nun auch ein Richter des Verfassungsgerichts in Ankara festgenommen worden sein. Alparslan Altan befinde sich in Gewahrsam, meldete der Sender CNN Türk, ohne weitere Details zu nennen.

  • 7/16/16 4:17 PM
    Unser Autor Andre Sarin hat die Rolle des Militärs in der Türkei analysiert und vor allem die Frage gestellt, warum der Putschversuch Präsident Erdogan in die Hände spielt. Seine Analyse lesen Sie hier.



  • 7/16/16 3:30 PM
    Entwarnung für die deutschen Soldaten in Incirlik: Der Putschversuch hat nach Bundeswehrangaben keine Folgen für die 240 deutschen Soldaten auf der Luftwaffenbasis gehabt. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr bei Berlin widersprach am Samstag auf dpa-Anfrage US-Angaben, wonach die türkischen Behörden den Zugang zu der Basis abgeriegelt hätten. Die Soldaten könnten mit Ausweiskontrolle weiterhin die Basis verlassen und wieder hineingehen, es sei aber die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen worden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Unseren Soldaten geht es grundsätzlich gut. Alle sind wohl auf".




  • 7/16/16 3:29 PM
    Bei der Sondersitzung des Parlaments nach dem gescheiterten Putschversuch hat Ministerpräsident Binali Yildirim der Opposition und türkischen Bürgern für ihre Unterstützung gedankt. Er erklärte den 15. Juli - den Tag des gescheiterten Putsches - zum künftigen "Demokratie-Festtag". Yildirim sagte am Samstag in Ankara: "Ich bedanke mich einmal mehr bei den Führern unserer Parteien, den Fraktionschefs und allen Abgeordneten." Er betonte zudem: "Ich danke jedem türkischen Bürger, der auf die Straße gegangen ist, um die Demokratie zu verteidigen. Ich bin so stolz, Teil dieser Nation zu sein."

  • 7/16/16 3:13 PM
    Während des Putschversuchs sollen nach unbestätigten Berichten womöglich Soldaten misshandelt oder sogar gelyncht worden sein. Auf einem Video, das offenbar auf einer der Bosporus-Brücken in Istanbul aufgenommen wurde, ist ein Soldat zu sehen, der blutüberströmt auf dem Boden liegt. Derjenige, der das Video aufnimmt, sagt auf Türkisch: "Vier haben wir umgebracht, jetzt sind wir beim fünften. Hund!" Schüsse sind zu hören. Andere rufen "Gott ist groß", "Ungläubiger!" und "Krepier!". Mehrere treten auf den leblos wirkenden Körper ein. Das Video wurde via Twitter verbreitet. Die dem Militär nahestehende Zeitung "Sözcü" berichtete, ein aufgebrachter Mob habe einem Soldaten in Istanbul die Kehle durchgeschnitten. Regierungskreise bestätigten den Bericht zunächst nicht.


  • 7/16/16 2:39 PM
    Die US-Regierung hat klargestellt, dass ihr kein Auslieferungsbegehren der Türkei gegen den islamischen Prediger Fetullah Gülen vorliegt. "Wir haben keine Bitte im Hinblick auf Herrn Gülen bekommen", sagte Außenminister John Kerry am Samstag in Luxemburg. Sollte Ankara einen solchen Antrag stellen, werde man ihn prüfen. Allerdings müssten vor einer Überstellung etwaige Vergehen Gülens in Sachen Putsch schlüssig nachgewiesen werden.
  • 7/16/16 2:37 PM
    Bulgarien hat wegen des Putschversuchs im Nachbarland vorsorglich 230 Soldaten an die türkische Grenze geschickt.
    Der Schutz der bulgarischen EU-Außengrenze zur Türkei sei verstärkt worden, obwohl es keine Anzeichen für einen möglichen Flüchtlingszustrom gegeben habe.
  • 7/16/16 2:23 PM
    Nach dem Putschversuch ist die türkische Nationalversammlung im beschädigten Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Ankara zu einer Sondersitzung zusammengekommen. Die Abgeordneten verharrten in einem Moment der Stille, bevor die Nationalhymne abgespielt wurde, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.
    Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim betrat unter dem Applaus der Abgeordneten den Sitzungssaal.
  • 7/16/16 2:21 PM
    In den Touristenorten in der Türkei, ist nichts von den aktuellen Geschehnissen zu merken. Carsten Cordes aus Emmerich ist mit seinem Sohn und seiner Frau seit einer Woche in Alanya im Urlaub. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt er: "Wir haben hier gar nichts mitbekommen. Wenn ich nachts so gegen 11 Uhr nicht Nachrichten von Freunden bekommen hätte, die wissen wollten, ob es uns gut geht, hätte ich es wahrscheinlich erst am Samstag gehört. Auch heute ist es hier ruhig. Neu sind nur die vielen türkischen Flaggen an Häusern und Autos. Man merkt schon, dass die Leute hier pro Erdogan sind. Sorgen machen wir uns aber keine."
  • 7/16/16 1:58 PM

    Wie das US-Konsulat am Samstag mitteilte, wurde die Energieversorgung unterbrochen, der Zugang zur Basis und auch das Verlassen des Stützpunktes wurden aus Sicherheitsgründen untersagt. Auf der Luftwaffenbasis Incirlik ist auch die Bundeswehr mit Aufklärungs-Tornadojets stationiert. Auch die US-Luftwaffe hat mehrere dutzend Kampfflugzeuge und Drohnen auf dem Stützpunkt.
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