Kambodscha: Rätselraten um die "Dschungelfrau"
zuletzt aktualisiert: 22.01.2007 - 17:17Oyadao/Kambodscha (RPO). Ihre Geschichte ging um die Welt: Eine junge Kambodscharin soll 19 Jahre lang allein im Dschungel überlebt haben. Doch die Polizei hat immer mehr Zweifel daran, dass es sich bei der 27-Jährigen um das Mädchen handelt, das vor 19 Jahren verschwand.
Ihre mutmaßlichen Angehörigen erklärten, sie hätten Rochom P'ngieng an einer Narbe am Arm identifiziert. Selbst kann sie keine Auskunft geben: Sie spricht nicht, sondern gibt nur undeutliche Laute von sich. Die Dorfbewohner nennen sie nur die "Dschungelfrau". Ihre Grundbedürfnisse äußert sie nach Auskunft ihrer Familie mit Hilfe von Gesten.
Hat sie Hunger oder muss auf die Toilette gehen, klopft sie sich auf den Bauch. An den Karaoke-Videos der Familie fand sie Gefallen. "Sie hat das Video angestarrt ohne zu blinzeln", sagt ihr mutmaßlicher Vater, Dorfpolizist Sal Lou.
Ihre Tage verbringt sie damit, auf dem Boden zu sitzen, zu liegen oder zu schlafen. Zur Attraktion des Dorfs avanciert, starrt sie die zahlreichen Besucher - Einheimische und Journalisten - an, die gekommen sind, um sie zu sehen. Sie lebt in einer Hütte, die sie mit zwölf weiteren Personen teilt.
Viele offene Fragen
Für die Bewohner des Dorfs Oyadao in der Provinz Rattanakir, 13 Autostunden von der Hauptstadt Phnom Penh entfernt, bleiben aber viele Fragen offen. "Wenn sie 19 Jahre im Dschungel war, warum hatte sie dann kurzes Haar?" fragt der Ladenbesitzer Cheat Ki. "Es hätte lang sein müssen, es sei denn, es hat ihr jemand im Dschungel geschnitten." "Was hat sie gegessen? In der Gegend ist es nachts sehr kalt", zweifelt der 50-jährige Meng Chuon. "Sie war die ganze Zeit nackt. Außerdem ist dies Malarialand."
Hände und Füße der Frau sind sehr weich, ihre Haare sind nicht verfilzt, die Fingernägel sind ordentlich geschnitten. Narben an den Handgelenken der Frau lassen zudem vermuten, dass sie über lange Zeit gefesselt wurde.
Auch der Polizeichef des Bezirks Oyadao sagt, dass noch viele Fragen über die Umstände ihres Verschwindens und die Zeit danach offen seien. Möglicherweise gebe es eine Familie oder eine Person, die die ganze Zeit wusste, wo sie war. "Wir würden ihr gerne eine Blutprobe für einen DNA-Test entnehmen, um in dem Fall sicherzugehen. Nur so können wir Verdächtigungen ausräumen."
Entdeckt wurde die Frau am 13. Januar von einem Dorfbewohner, der sie ertappte, als sie in der Nähe seines Bauernhofs Essen aus einem zurückgelassenen Proviantpaket entnahm. Als er sie das erste Mal gesehen habe, berichtet Sal Lou, "war sie nackt und lief vornübergebeugt wie ein Affe. Sie war knochendürr."
Sie habe Schwierigkeiten, sich an das Leben im Dorf zu gewöhnen. Am Donnerstag habe sie ihre Kleider abgelegt und offenbar in den Dschungel zurückkehren wollen. Die Familie habe sie daraufhin zu einem buddhistischen Mönch gebracht, um sie mit heiligem Wasser segnen und mögliche böse Geister austreiben zu lassen.
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