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Buch mit Texten des Saudis erscheint
Inhaftierter Blogger Raif Badawi erhebt seine Stimme

Berlin. Der in Saudi-Arabien inhaftierte Blogger Raif Badawi lässt sich trotz Prügelstrafe nicht mundtot machen. An diesem Mittwoch erscheint in Deutschland ein Buch mit Texten von seiner Website, die inzwischen nicht mehr existiert.

Das Vorwort von "1000 Peitschenhiebe" (Ullstein) hat Badawi seiner Ehefrau Ensaf Haidar aus der Haft telefonisch durchgegeben. "Wir konnten nicht oft sprechen, deshalb hat er es mir in Etappen diktiert", sagte Haidar. Sie betonte: "Das Buch hat mit dem Verfahren gegen Raif nichts zu tun." Ob die Veröffentlichung Einfluss darauf haben werde – positiv oder negativ – sei nicht absehbar.

Ein Strafgericht hatte den liberalen Aktivisten im Mai 2014 wegen "Beleidigung des Islams" zu 1000 Hieben, zehn Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt. 50 Stockschläge wurden ihm am 9. Januar vor einer Moschee in der Stadt Dschidda verabreicht. Nachdem der Fall international für Aufsehen gesorgt hatte, wurde die Vollstreckung aus gesundheitlichen Gründen ausgesetzt.

Der Prozess gegen den 31-Jährigen soll womöglich demnächst neu aufgerollt werden. "Bis jetzt wissen wir nichts. Es gibt noch kein Datum für einen neuen Prozess", erklärte Haidar, die inzwischen als politischer Flüchtling mit ihren drei Kindern in Kanada lebt. Sie sagte: "Raif ist ein guter Ehemann und ein guter Vater, die Kinder vermissen ihn sehr." Die Familie wird nach Angaben des Herausgebers, Constantin Schreiber, einen Großteil des Erlöses aus den Buchverkäufen erhalten.

Eine Sprecherin von Ullstein sagte auf Anfrage, der Verlag habe das Auswärtige Amt um eine Einschätzung zu dem Buchprojekt gebeten. Demnach riet das Auswärtige Amt mit Blick auf diplomatische Initiativen für eine Freilassung Badawis von einer Veröffentlichung zum geplanten Termin ab. Das Ehepaar habe aber an dem Tag festhalten wollen.

Die Sprecherin erklärte dazu: "Die Ansicht des Auswärtigen Amtes hatte für uns Gewicht, doch entscheidend war der Wunsch des Autors und seiner Frau." Vom Auswärtigen Amt war zu dem Fall zunächst keine offizielle Stellungnahme zu erhalten.

Auf die Frage nach dem Gemütszustand von Badawi, der bereits seit 2012 in Haft ist, sagte seine Ehefrau: "Es geht ihm sehr schlecht, er hat schließlich seine Kinder seit dreieinhalb Jahren nicht gesehen." Ihrer Ansicht nach wäre Badawi nach seiner Freilassung in Saudi-Arabien nicht sicher, "denn die Extremisten sind hinter ihm her".

Badawis Anwalt, der Menschenrechtler Walid Abu al-Chair, war im vergangenen Juli zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Abu al-Chair (35) ist mit Badawis Schwester Samar verheiratet.

(dpa)
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