Tote und Verletzte: Rassenunruhen in Birmingham
zuletzt aktualisiert: 23.10.2005 - 13:00London (rpo). Bei Rassenunruhen in der britischen Stadt Birmingham ist am Samstag ein Mensch ums Leben gekommen. Mindestens drei Menschen erlitten bei den Auseinandersetzungen im Armenviertel Lozells Stichwunden, zwei weitere wurden angeschossen, unter ihnen ein Polizist, wie die Polizei bekannt gab.
Augenzeugenberichten zufolge bewarfen dutzende Jugendliche die Sicherheitskräfte mit Steinen und Flaschen; andere schlugen Autofenster mit Baseballschlägern und Stöcken ein. Die Lage in dem Viertel war schon seit Tagen angespannt. Anwohnern zufolge soll ein 14-jähriges schwarzes Mädchen von Asiaten vergewaltigt worden sein. Das Mädchen hat sich bislang der Polizei nicht zu erkennen gegeben. Mitglieder der Schwarzen-Gemeinde sagen, sie habe Angst vor einer Abschiebung.
Die Unruhen begannen am Samstagabend gegen 18 Uhr (19 Uhr MESZ). Die Polizei äußerte sich nicht darüber, was der Auslöser für die Auseinandersetzungen war. Kurz vor Beginn hatte jedoch eine Versammlung der Mitglieder der verschiedenen ethnischen Gemeinden von Lozells stattgefunden, auf der über die angebliche Vergewaltigung geredet werden sollte. Polizei und Medien bestätigten, das Treffen sei friedlich verlaufen. In der "Sunday Times" hieß es allerdings, die gewaltsamen Auseinandersetzungen hätten begonnen, als etwa 30 asiatische Jugendliche einige der rund 300 Teilnehmer mit Steinen beworfen hätten.
Eine Frau berichtete der britischen Nachrichtenagentur PA, sie habe gesehen, wie Asiaten Schwarze angegriffen hätten. Sie habe mitbekommen, wie etwa hundert asiatische Männer sich Masken und Kapuzen übergezogen hätten und dass sie vorgehabt hätten, sich Waffen zu besorgen. Später habe sie gehört, dass ein 20-jähriger Schwarzer erstochen worden sei.
In der vergangenen Woche hatten fast 1.000 Menschen eine Petion unterzeichnet, in der sie Gerechtigkeit für das 14-jährige Mädchen forderten. Mehrfach gingen mehr als hundert Menschen auf die Straße. Ein Polizeisprecher sagte dagegen, bislang gebe es "nicht den Hauch eines Beweises" für die Anschuldigungen. Die Polizei rief das Mädchen erneut auf, sich zu melden. In Lozells war es 1985 zu schweren Unruhen gekommen, nachdem die Polizei dort einen Schwarzen festgenommen hatte. Damals war das Viertel zwei Tage lang im Ausnahmezustand.
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