Vatikan deutet Milde an: Rechtliche Schritte gegen Papst-Angreiferin
zuletzt aktualisiert: 27.12.2009 - 12:51Rom (RPO). Der Vatikan erwägt rechtliche Schritte gegen die geistig verwirrte Frau, die sich zu Beginn der Christmette auf Papst Benedikt gestürzt und ihn zu Boden gerissen hatte. Ein Sprecher deutete am Wochenende aber ein mildes Vorgehen an: Die Justiz im Vatikan sei normalerweise gütig.
Der Vorfall fachte unterdessen eine Debatte über die Sicherheitsvorkehrungen bei Auftritten des 82-jährigen Kirchenoberhauptes an. Der Zwischenfall ereignete sich in der Nacht zum Freitag, als Benedikt XVI. die Weihnachtsfeiern mit der Christmette eröffnete. Die Frau überwand eine Absperrung und warf sich auf den Papst. Während Sicherheitskräfte versuchten, sie zurückzuhalten, griff sie nach seinem Gewand.
Kardinal bricht sich den Oberschenkel
Dabei gingen sowohl der Papst als auch der 87-jährige französische Kardinal Roger Etchegaray zu Boden. Sicherheitsleute halfen dem Papst wieder auf die Beine, so dass er nach ein paar Sekunden die Prozession fortsetzen konnte. Der Kardinal brach sich bei dem Sturz allerdings den Oberschenkel. Er wurde mit einem Rollstuhl aus dem Petersdom gefahren und in ein Krankenhaus gebracht.
Bei der Frau handelt es sich nach Angaben des Vatikans um eine "psychisch labile" 25-Jährige mit Schweizer und italienischer Staatsbürgerschaft, die nicht bewaffnet war. Die Frau wurde zur psychologischen Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Sie habe bereits bei der Christmette im vergangenen Jahr versucht, die Absperrungen zu überwinden, um näher an den Papst heranzukommen, hieß es.
Schärfere Sicherheitsvorkehrung gefordert
Nach dem Vorfall wurden Rufe nach schärferen Sicherheitsvorkehrungen laut. Ein Sprecher des Vatikans sagte jedoch, es sei unmöglich, derartige Zwischenfälle komplett auszuschließen, da der Kontakt mit den Menschen Teil des päpstlichen Auftrags sei. "Der Papst will eine direkte, seelsorgerische Verbindung zu den Leuten haben." Dazu gehöre es auch, Kinder zu berühren und Hände zu schütteln. Daher werde es immer ein gewisses Risiko geben.
Bislang hat es während des Pontifikats Benedikts, das 2005 begann, nur wenige Sicherheitsverstöße gegeben. 2007 war ein Deutscher über eine Absperrung auf dem Petersplatz gesprungen und hatte versucht, auf das vorbeifahrende Papstmobil aufzuspringen. Der bislang schwerste Angriff auf einen Papst im Vatikan ereignete sich 1981. Johannes Paul II. wurde damals auf dem Petersplatz von einem Türken angeschossen und dabei lebensgefährlich verletzt. Besucher des Petersdoms müssen Metalldetektoren passieren und werden stichprobenartig überprüft. Innerhalb des Doms sind die Sicherheitsvorkehrungen jedoch relativ locker.
Papst verkündet Weihnachtsbotschaft
In seiner Weihnachtsbotschaft rief Benedikt zur Abkehr von Gewalt und zum Frieden auf. Vor Zehntausenden Menschen auf dem Petersplatz in Rom forderte er die Menschen am ersten Weihnachtsfeiertag zudem dazu auf, die einfache Botschaft der Weihnachtsgeschichte wiederzuentdecken. Anschließend spendete er vom Balkon des Petersdoms den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis) und sandte Weihnachtsgrüße in 65 Sprachen aus. Der Papst schien dabei trotz des Sturzes am Vortag wohlauf zu sein.
Die Welt befinde sich derzeit in einer schweren wirtschaftlichen Krise, sagte der Papst weiter. Mehr noch sei die Menschheit jedoch von einer moralischen Krise und den schmerzlichen Wunden von Kriegen und Konflikten gezeichnet. Die Menschen in Europa und Nordamerika forderte er dazu auf, eine "egoistische und technokratische Mentalität" zu überwinden, das Gemeinwohl zu fördern und die Schwächsten zu achten.
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