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Bürgerkrieg im Kongo: Regierungssoldaten fliehen aus Goma

zuletzt aktualisiert: 29.10.2008 - 17:11

Goma/Kongo (RPO). Der bürgerkriegsgeschüttelte Kongo kommt nicht zur Ruhe: Angesichts des Vormarsches von Tutsi-Rebellen im Osten Kongos sind am Mittwoch Regierungssoldaten aus der Provinzhauptstadt Goma geflohen.

Im Osten des Kongo tobt der Bürgerkrieg wieder heftiger.  Foto: AFP, AFP
Im Osten des Kongo tobt der Bürgerkrieg wieder heftiger. Foto: AFP, AFP

AP-Reporter konnten beobachten, dass mit den Rebellen viele Flüchtlinge in die Stadt kamen. Die Regierungssoldaten machten sich mit Privatautos, Taxis und Motorrädern davon, viele hatten Koffer dabei. Die internationale Gemeinschaft verstärkte ihre diplomatischen Aktivitäten, um die Eskalation zu einem zwischenstaatlichen Konflikt zu vermeiden.

Auf ihrem Weg nach Goma nahmen die Rebellen auch das Flüchtlingslager Kibati ein, wie ein AP-Reporter berichtete. Trotz internationaler Appelle hat Rebellenführer Laurent Nkunda damit gedroht, Goma einzunehmen.

Vor der Stadt waren die Explosionen von Bomben, Artilleriefeuer und das Heulen von Granaten zu hören. Tausende Flüchtlinge strömten bereits am Mittwoch nach Goma. Innerhalb von 24 Stunden nahm ihre Zahl von 15.000 auf 45.000 zu.

Der seit Jahren schwelende Konflikt ist in der vergangenen Woche erneut eskaliert. Nkunda wirft der Regierung in Kinshasa vor, sie unternehme nichts, um die Tutsi-Minderheit im Osten des Landes vor den dort agierenden Hutu-Milizen zu schützen.

Die kongolesische Regierung wiederum warf dem Nachbarland Ruanda am Mittwoch vor, die Grenze überquert und Regierungstruppen angegriffen zu haben. Zugleich wandte sich die Regierung an das Nachbarland Angola mit der Bitte um Unterstützung bei der "Verteidigung der territorialen Integrität". Damit wächst die Sorge, dass der seit Jahren schwelende Konflikt im Osten des afrikanischen Landes erneut zu einem internationalen Krieg werden könnte.

Die Regierung in Ruanda, geführt von der Volksgruppe der Tutsi, wies die Vorwürfe aus Kinshasa zurück. Es treffe nicht zu, dass ruandische Truppen zur Unterstützung der Tutsi-Rebellen im Kongo Regierungstruppen angegriffen hätten, hieß es in Kigali.

Der UN-Gesandte für den Kongo, Alan Doss, forderte eine dringende Aufstockung der UN-Friedenstruppe in dem zentralafrikanischen Land. Der UN-Sicherheitsrat forderte in seiner Sitzung am Dienstagabend einen sofortigen Waffenstillstand im Osten des Kongos.

Angeblich Waffenruhe angekündigt

Tutsi-Rebellen haben für die Umgebung der Provinzhauptstadt Goma im Osten Kongos eine einseitige Waffenruhe ausgerufen. In einer Stellungnahme der Rebellen hieß es, sie stünden vor der Stadt, während Regierungssoldaten flüchteten. Ein UN-Sprecher begrüßte die Ankündigung, erklärte jedoch, es sei nicht klar, ob der Erklärung auch Taten folgen würden. Der Sprecher bestätigte, dass in Goma Panik herrsche und die Rebellen noch nicht bis in die Stadt vorgedrungen seien. UN-Soldaten hielten sich den Angaben zufolge am Flughafen und an anderen strategisch wichtigen Punkten auf. Vor der Stadt waren Explosionen von Bomben, Artilleriefeuer und das Heulen von Granaten zu hören.

Auch US-Diplomatin eilt nach Kinshasa

UN-Blauhelmsoldaten hatten sich zuvor vergeblich bemüht, die Tutsi-Rebellen am Vormarsch auf Goma zu hindern. Die Truppen schossen nördlich der Stadt aus Hubschraubern heraus auf die vorrückenden Rebellen, konnten diese aber nach Angaben von Augenzeugen nicht aufhalten.

Der an Rohstoffen reiche Kongo war bereits von 1997 bis 2003 Schauplatz eines Krieges, an dem sich zeitweise bis zu acht afrikanische Staaten beteiligten. Die Wurzeln des Konflikts liegen im Völkermord des Jahres 1994 in Ruanda. Damals wurden in 100 Tagen mehr als eine halbe Million Tutsi getötet. Danach übernahmen Tutsi-Rebellen die Regierung in Ruanda, während die unterlegenen Hutu in den Kongo flohen und dort eigene Milizen bildeten.

Wegen der Eskalation der Kämpfe flog EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel am Mittwoch nach Kinshasa. Michel werde mit Präsident Joseph Kabila und anderen Regierungsmitgliedern über die schwierige Lage im Osten des Landes sprechen, teilte die Kommission in Brüssel mit. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana rief die Konfliktparteien im Ostkongo zur Zurückhaltung auf. Auch die im US-Außenministerium für Afrika zuständige Diplomatin Jendayi Frazer eilte nach Kinshasa, um zur Konfliktlösung beizutragen.

Solana gegen EU-Kampftruppe

EU-Außenkommissar Javier Solana hat sich gegen den Vorschlag von Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner gestellt, eine EU-Kampftruppe in die Demokratische Republik Kongo zu senden. "In diesem Stadium ist eine militärische Intervention durch die EU nicht Gegenstand der Diskussion", sagte seine Sprecherin am Mittwochabend in Brüssel. Derzeit hätten diplomatische Bemühungen absolute Priorität. Die UNO habe außerdem bisher keinen militärischen Bedarf angemeldet. Solana und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hätten am Mittwoch telefoniert, fügte die Sprecherin hinzu.

Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner hatte sich zuvor vor Journalisten für die Entsendung einer 1500 Mann starken EU-Kampftruppe ausgesprochen, um die Kämpfe im Kongo zu befrieden. Über die mögliche Entsendung sei zwischen der UNO und der derzeit von Frankreich ausgeübten EU-Ratspräsidentschaft gesprochen worden.

Quelle: ap

 
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