Italien: Roma-Baracken brennen
VON JULIUS MÜLLER-MEININGEN - zuletzt aktualisiert: 16.05.2008Rom (RP). Die neue italienische Regierung von Silvio Berlusconi kündigt mehr Härte gegenüber kriminellen Ausländern an. Der Versuch einer 17-Jährigen Roma, ein Baby zu entführen, löste schwere Ausschreitungen aus.
In Neapel gehen Barackensiedlungen in Flammen auf, in Mailand werfen Unbekannte einen Brandsatz in ein Haus, in dem zwei Rumänen schlafen. Im ganzen Land führt die Polizei Razzien durch, mit denen vor allem die illegale Einwanderung bekämpft werden soll. Und gleichzeitig berät die neue italienische Regierung strenge Maßnahmen, besonders gegen Ausländerkriminalität und die illegale Einwanderung.
Die Devise: Null Toleranz gegenüber kriminellen Ausländern. Manch einer schießt allerdings weit über das Ziel hinaus. In Neapel etwa, wo in den vergangenen Tagen mehrere Barackensiedlungen in Flammen aufgingen, in denen vor allem aus Rumänien zugewanderte Sinti und Roma leben. In den Ruinen wurden die Reste von Molotow-Cocktails gefunden. Verletzt wurde niemand.
Die Ausschreitungen in Neapel waren ausgelöst worden, nachdem kürzlich eine 17-jährige Roma in einer Privatwohnung festgenommen wurde. Sie hatte dort angeblich versucht, einen Säugling zu entführen. Die Polizei nahm die Frau fest, die aus einem der Lager stammen soll, die abgebrannt sind. Aufgebrachte Bürger sollen die Baracken angesteckt haben. Die Bewohner verließen noch Dienstagnacht fluchtartig ihre Behausungen und wurden von der Polizei in eine Schule am anderen Ende der Stadt eskortiert. Gestern wurden neue Brände gemeldet.
Gestern meldete die Polizei, sie habe in der Nacht zum Donnerstag in neun Regionen Razzien durchgeführt. In Rom kontrollierten Beamte beispielsweise die Papiere von rund 700 Bewohnern eines Lagerplatzes in Rom, wo vorwiegend Rumänen, Serben und Bosnier leben.
Die Festnahmen richteten sich sowohl gegen illegal nach Italien eingewanderte Menschen, als auch gegen kriminelle Einheimische. 268 der Festgenommenen seien Ausländer, teilte die Polizei mit. „Es handelt sich um eine Operation gegen Straftaten, die in Verbindung mit illegaler Einwanderung stehen“, sagte ein Sprecher der Polizei. „Die Aktion ist positiv“, urteilte Reformminister Umberto Bossi. „Das ist, was die Leute wollen.“ Über die Geschehnisse in Neapel sagte der Chef der Lega Nord: „Die Leute machen das, was die politische Klasse nicht fertig gebracht hat.“
Erst im April hatte das Innenministerium über die ansteigende Ausländerkriminalität berichtet. Rumänische Staatsbürger liegen dabei an der Spitze der Statistik. Seit Aufnahme Rumäniens in die EU im Januar 2007 stieg die Zahl der Sinti und Roma in Italien stark an. Nach offiziellen Zahlen leben in Italien 342.000 Mitglieder der Bevölkerungsgruppe, die Caritas schätzt ihre Zahl jedoch auf 556.000
Die Regierung Berlusconi hat angekündigt, hart gegen Kriminalität, vor allem von Ausländern vorzugehen. Bereits am Mittwoch sollen erste Maßnahmen beschlossen werden. Das von Innenminister Roberto Maroni vorgeschlagene Gesetzespaket sieht unter anderem vor, illegal Eingewanderte bis zu 18 Monate in Lagern festzuhalten. Überlegt wird auch, einen Straftatbestand der illegalen Einwanderung einzuführen.
Maroni traf gestern seinen rumänischen Amtskollegen in Rom, um bilaterale Maßnahmen zu beraten. Überlegt wird etwa, wie der Zustrom rumänischer Staatsbürger und Angehöriger der Roma gebremst werden kann. Die italienische Regierung hat sich für strengere Grenzkontrollen, sowie im Fall Rumänien für die Aussetzung des Schengener Abkommens, das die Bewegungsfreiheit aller EU-Bürger garantiert, ausgesprochen.
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