Jurist vertrat ermordete Anna Politkowskaja: Russischer Menschenrechtsanwalt in Moskau erschossen
zuletzt aktualisiert: 19.01.2009 - 21:56Moskau (RPO). Der russische Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow ist am Montag auf offener Straße erschossen worden. Er vertrat unter anderem die ermordete Regierungskritikerin Anna Politkowskaja. Auch eine Journalistin wurde bei dem Anschlag tödlich verletzt. Markelow hatte gerade Rechtsmittel gegen die vorzeitige Freilassung eines Oberst eingelegt, der wegen Mordes an einer Tschetschenin in Haft saß.
Markelow hatte kurz vor der Gewalttat eine Pressekonferenz gegeben, in der er die vorzeitige Haftentlassung eines früheren Oberst der russischen Armee kritisierte, der im Jahr 2000 die 18-jährige Tschetschenin Elsa Kungajewa vergewaltigt und getötet hatte. Oberst Juri Budanow war 2003 zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt und am Freitag vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden. Markelow, der in dem Verfahren für Kungajewas Familie arbeitete, hatte angekündigt, die vorzeitige Entlassung anzufechten.
Die Journalistin Anastassija Baburowa, die für die kremlkritische Zeitung "Nowaja Gaseta" arbeitete, war nach der Schießerei mit einer Schussverletzung in ein Krankenhaus eingeliefert worden und verstarb wenige Stunden später. Sie sei eine 1983 geborene Praktikantin des Blattes gewesen, berichtete die "Nowaja Gaseta". Die 2006 ermordete Politkowskaja, die für ihre kritische Berichterstattung über den Feldzug der Russen in Tschetschenien bekannt war, hatte für die selbe Zeitung gearbeitet.
Laut Staatsanwaltschaft untersuchten Ermittler unter anderem einen möglichen Zusammenhang zwischen der Tat und den beruflichen Aktivitäten des Opfers. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitierte aus Polizeikreisen, Augenzeugen hätten ausgesagt, dass der mutmaßliche Mörder dem Anwalt aufgelauert habe. Der Vater der ermordeten Tschetschenin, Wissa Kungajew, sagte dem Radiosender Moskauer Echo, dass Markelow Morddrohungen erhalten habe. "Er hat mir gesagt, dass er SMS bekommt, dass er angerufen wird", sagte Kungajew dem Sender. Die Anrufer hätten damit gedroht, ihn umzubringen, sollte er seine Arbeit im Fall Budanow nicht einstellen.
Menschenrechtsorganisationen reagierten entsetzt auf den Tod des Juristen. Die Direktorin des Europa- und Zentralasien-Programms von Amnesty International, Nicola Duckworth, verurteilte die Tat als "verachtenswertes Verbrechen". Die russischen Behörden müssten alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um zu zeigen, dass derartige Verbrechen in Russland nicht toleriert würden. Die russische Menschenrechtsaktivistin Ljudmila Alexejewa sagte, die Ermordung eines mit politischen Fällen befassten Anwalts im Zentrum Moskaus habe eine ebenso große Bedeutung wie die Ermordung Politkowskajas.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum