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Kreml-Kritiker
Russland wirft Chodorkowski Verwicklung in Mord vor

Chodorkowski: An den Schuhen hängt noch das Preisschild
Chodorkowski: An den Schuhen hängt noch das Preisschild FOTO: dpa, Kay Nietfeld
Moskau. Erst am Mittwoch hatte der Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski erklärt, die Politik von Präsident Putin mache eine Revolution in Russland "unvermeidlich und notwendig". Jetzt ist er wieder im Visier der Justiz.

Die russische Ermittlungsbehörde ermittelt gegen den vor zwei Jahren aus dem Gefängnis entlassenen Milliardär Michail Chodorkowski wegen Mordes. Eine Untersuchung habe ergeben, dass der nun im Schweizer Exil lebende 52-Jährige 1998 an der Ermordung des Bürgermeisters der sibirischen Stadt Neftejugansk, Wladimir Petuchow, beteiligt gewesen sei, teilte das Ermittlungskomitee mit. Chodorkowskis Ölkonzern Jukos hatte seinen Sitz in Neftejugansk.

Die Ermittlungsbehörde warf dem zehn Jahre wegen Steuerhinterziehung inhaftierten Geschäftsmann zudem vor, an einem Mordversuch 1999 an dem Geschäftsmann Jewgeni Rybin verwickelt gewesen zu sein. Rybin überlebte den Anschlag, einer seiner Leibwächter wurde aber dabei getötet.

Michail Chodorkowski genießt seine Freiheit FOTO: dpa

Die Vorwürfe wurden zwei Tage nach einer scharfen Kritik Chodorkowskis an dem russischen Präsidenten Wladimir Putin erhoben. Chodorkowski hatte Putin einen "verfassungswidrigen Putsch" vorgeworfen, indem er eine selbstmörderische Außenpolitik betreibe, unrechtmäßige Gesetze einführe und Bürgern in korrupten Gerichten den Prozess mache. Dadurch habe er Russland in eine Lage manövriert, in der eine Revolution "unvermeidlich und notwendig" sei. Er werde diese unterstützen.

Die russischen Behörde hatten Chodorkowski bereits während seiner Zeit im Gefängnis verdächtigt, in die beiden Mordfälle verwickelt gewesen zu sein. Beweise konnten sie aber nicht vorlegen, eine Anklage erfolgte nicht.

Hier saß Chodorkowski zehn Jahre hinter Gittern FOTO: afp, -

Chodorkowski war 2003 wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung verhaftet worden. Im Westen wurde seine Verurteilung zu Straflager als Retourkutsche des Kremls für seine Kritik an Präsident Wladimir Putin aufgefasst. Nach zehn Jahren im Gefängnis wurde Chodorkowski 2013 von Putin begnadigt und finanziert aus dem Exil in der Schweiz eine russische Bürgerinitiative namens Offenes Russland.

(lsa/ap)
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