| 18.20 Uhr

Vernehmung von Salah Abdeslam
Schwere Waffen, neue Pläne

Salah Abdeslam: Schwere Waffen, neue Pläne
Salah Abdeslam wurd am Freitag festgenommen. FOTO: ap
Brüssel. In seinem Versteck in Brüssel plante Salah Abdeslam offenbar neue Anschläge. Allein die in seiner Wohnung gefundenen Waffen sprechen in den Augen der Ermittler dafür. Zudem gibt es Hinweise auf neue Netzwerke. Eine Pizzabestellung soll ihn verraten haben. 

Der in Brüssel gefasste Terrorverdächtige Salah Abdeslam soll nach den Anschlägen von Paris weitere Attacken vorbereitet haben. Bei seiner Vernehmung habe Abdeslam neue Terrorpläne eingestanden, außerdem habe er möglicherweise Zugang zu mehreren Waffen gehabt, sagte der belgische Außenminister Didier Reynders am Sonntag.

"Wir haben eine Menge Waffen gefunden, schwere Waffen bei den ersten Ermittlungen, und wir haben ein neues Netzwerk von Leuten in seiner Umgebung in Brüssel gesehen."

Abdeslam selbst habe gesagt, dass er "bereit war, von Brüssel aus etwas Neues anzufangen", sagte Reynders bei einer Sicherheitskonferenz der Stiftung German Marshall Fund in Brüssel.

Abdeslam war wegen der Pariser Terrorserie vom November monatelang gesucht und am Freitag schließlich in einer Wohnung im Brüsseler Stadtteil Molenbeek gefasst worden, nur 500 Meter entfernt vom Haus seiner Eltern.

Auf seine Spur kamen die Ermittler einem Bericht des Magazins "Politico" zufolge durch eine ungewöhnlich große Pizzabestellung. Der Bericht beruft sich auf die Aussage von zwei Experten aus belgischen Sicherheitskreisen. Ihnen zufolge wurde die Wohnung, in der Abdeslam am Freitag gefunden wurde, schon länger observiert.

Nach dem Fund von Abdeslams Fingerabdrücken im Brüsseler Stadtteil Molenbeek waren die Sicherheitskräfte überzeugt, dass der gesuchte Terrorverdächtige sich noch in der beglischen Metropole aufhalten müsse. Sie beobachteten laut "Politico" ein Pärchen aus seinem früheren Umfeld, das sie zu der Wohnung in der Rue Quatre-Vents führte. Als dort eine Frau eine große Menge an Pizzen bestellte, sei das der entscheidende Hinweis gewesen, dass sich mehr Personen in der Wohnung befanden als gemeldet. 

Salah Abdeslam soll bei den Pariser Anschlägen mit 130 Toten eine tragende Rolle gespielt haben. Nach französischen Angaben sollte er sich beim Länderspiel Deutschland gegen Frankreich im Stade de France in die Luft sprengen, zog den Plan aber nicht durch, sondern floh.

Nach der Festnahme forderte Interpol strengere Grenzkontrollen in Europa, um mögliche Komplizen Abdeslams zu fassen, die nun untertauchen wollten. Besonders solle auf gestohlene Pässe geachtet werden, wie sie mehrere der Pariser Attentäter verwendet hatten.

Der bei der Razzia ins Bein geschossene Abdeslam ist in der Hochsicherheitsabteilung eines Gefängnisses außerhalb von Brügge untergebracht. Frankreich fordert eine rasche Auslieferung, am Mittwoch soll der 26-Jährige vor Gericht erscheinen. Belgiens Justizminister Koen Geens sagte dem Sender RTL, das Prozedere könnte möglicherweise zwei oder zweieinhalb Monate dauern.

Abdeslams Verteidiger Sven Mary kündigte an, sich gegen die Auslieferung zu stemmen - auch weil sein Mandant die Anti-Terror-Ermittlungen in Belgien voranbringe. "Salah ist für die Ermittlung sehr wichtig. Ich würde sogar sagen, er ist Gold wert. Er kooperiert, er kommuniziert, er beharrt nicht auf seinem Recht zu schweigen."

Dem Pariser Staatsanwalt François Molins drohte Mary mit rechtlichen Schritten, weil dieser bei einer Pressekonferenz am Samstag vertrauliche Informationen preisgegeben habe. Konkret bezog sich der Anwalt auf die Aussage, wonach Abdeslam vor seinem Anschlag im Stade de France einen Rückzieher gemacht habe. "Es ist ein Verstoß, und das kann so nicht durchgehen", sagte Mary dem Sender RTBF.

(pst/ap/AFP)
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