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Australisches Tier "Chris"
"Wenn Schafe nicht geschoren werden, leidet die Hygiene"

Tödliche Wolle: Schaf in Lebensgefahr
Tödliche Wolle: Schaf in Lebensgefahr FOTO: dpa, ra ms uw
Düsseldorf. Es ist ein Rekordwert: 42,3 Kilogramm Wolle hat ein Merino-Schaf in Australien auf die Waage gebracht, weil es jahrelang nicht geschoren worden ist. Wie aber kann ein Tier so viel Wolle entwickeln, und warum ist die Schur so wichtig? Wir haben mit der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände darüber gesprochen. Von Dana Schülbe

Das australische Merino-Schaf, das nun den Namen "Chris" trägt, war herrenlos in der Nähe der Hauptstadt Canberra entdeckt worden. Aufgrund der vielen Wolle auf seinem Körper war es kaum in der Lage zu laufen. Der australische Sender ABC berichtete unter Berufung auf Tierärzte, dass das Schaf aufgrund seines dicken Fells in Lebensgefahr gewesen sei.

Die örtliche Leiterin der Tierschutzorganisation RSPCA, Tammy Ven Dange, sagte ABC: "Es ist eigentlich eine Situation von Leben oder Tod (...) Dieses Tier hätte es nicht durch den Sommer geschafft, wenn wir es (die Schur, Anmerk. d. Red.) nicht getan hätten." Aber warum ist die Schur beim Merino-Schaf wichtig? Darüber haben wir mit Stefan Völl, Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL), gesprochen.

Einige Rassen verlieren Wolle von selbst

Völl erklärt, dass die in Deutschland vorkommenden Merino-Schafrassen – drei Stück gibt es – pro Jahr rund drei bis fünf Kilogramm Wolle hergeben. Diese Schafe müssten mindestens einmal pro Jahr geschoren werden, da es die Wolle nicht automatisch abwirft. "Wir haben auch Rassen, die so gezüchtet sind, dass sie die Wolle selbst verlieren", sagte Völl. Auch gebe es unter den mehr als 50 verschiedenen Rassen hierzulande Tiere, die nur normales Haar hätten. Beim Merino-Schaf aber ist das eben nicht der Fall.

Neben dem Gewinnen der Wolle sieht Völl die Schur daher auch aus einem hygienischen Aspekt als wichtig an. "Wenn die Schafe nicht geschoren werden, dann kann die Wolle verpfilzen, die Sauberkeit leidet", sagt er und fügt hinzu: "Ich mag mir gar nicht vorstellen, was für Insektenbefall oder Pilzerkrankungen dann auftreten könnten." Ob ein Tier daran wirklich sterben kann, das könne er sich nicht vorstellen, ausschließen wolle er es aber nicht. Völl betont zudem, dass Züchter und Halter bei Schafen nicht nur die Wolle im Auge behalten müssten, sondern etwa auch, dass die Klauen sich genügend abrieben, damit es nicht zu Verwachsungen kommt.

"Schafe sind schon etwas anspruchsvoller in der Haltung", so der VDL-Geschäftsführer. Daher werbe der Verband auch dafür, dass diejenigen, die sich Schafe anschaffen wollten, sich genau darüber informierten, welche Rasse denn zu ihnen passe. 

Spezielle Züchtung bei "Chris"?

Dass das australische Schaf "Chris" so viel Wolle mit sich trug, könnte auch mit einer speziellen Züchtung zusammenhängen. Laut Völl gebe es in manchen Ländern Züchtungen, bei denen die Haut des Tieres mehr Falten habe, um mehr Fläche zu haben, auf denen Wolle wachsen könne. Auch habe er gesehen, dass so manches Merino-Schaf in Australien wesentlich mehr Wolle auf dem Kopf trage. Dort sei eine Schur aber sehr schwierig.

Kritik von Tierschützern am Prozedere der Schur tritt Völl mit den Worten entgegen, dass eine gute Schur ein bis zwei Minuten dauere. "Wir machen das etwa mit unserer Schurmeisterschaft sehr öffentlich, da sind auch immer Tierärzte dabei. Daher gehen wir schon davon aus, dass die Schur bei uns tierschutz- und artgerecht durchgeführt wird." 

 
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