Eigenwillige Denkmalpflege in Italien: Schönheits-OP für Berlusconis Venus
zuletzt aktualisiert: 19.11.2010 - 18:45Rom (RPO). Trotz Affären und Regierungskrise hat Italiens Ministerpräsident auch die kleinen Dinge im Blick. Der für seinen ausschweifenden Lebenswandel bekannte Silvio Berlusconi bescherte dem marmornen Kriegsgott Mars vor dem Regierungssitz Palazzo Chigi einen neuen Penis und der Schönheitsgöttin Venus einen neuen Arm. Unterstützung dafür gab es für Berlusconi vom Kultusministerium.
Wie die Tageszeitung "La Repubblica" berichtete, wiesen Berlusconi und sein Privatarchitekt die kostspielige Restauration zweier Marmorstatuen aus dem zweiten Jahrhundert an - neben Mars auch die der Schönheitsgöttin Venus. Die Statue habe einen neuen Arm erhalten, berichtete die Zeitung.
Allerdings erntete Berlusconi wieder einmal Kritik. "La Repubblica" monierte, er habe die äußerst strengen nationalen Restaurationsvorschriften missachtet. Zudem seien die Kosten von 70. 000 Euro schockierend hoch angesichts eines Kulturbudgets, das im kommenden Jahr voraussichtlich um 46 Prozent schrumpfe.
Kritik von der Opposition
Die oppositionelle Demokratische Partei (PD) appellierte an Kulturminister Sandro Bondi, sein Ministerium nicht einfach den Launen des Regierungschefs zu überlassen. Manuela Ghizzoni, Abgeordnete der PD, warf Berlusconi vor, die Marmorstatuen "einer regelrechten Schönheitsoperation" unterzogen zu haben. Berlusconis Architekt verteidigte sich, es handele sich lediglich um abnehmbare "Prothesen", die das Kunstwerk in seinem ursprünglichen Zustand zeigen sollen.
Das Kultusministerium hingegen unterstützte am Freitag die Aktion Berlusconis. Der Arm der Venusstatue und der Penis des Mars' seien mit Magneten angebracht, und die Statuen könnten ohne Beschädigung wieder in den Originalzustand versetzt werden, wurde mitgeteilt.
Seit Langem herrscht unter Restauratoren der Konsens, dass fehlende Teile an antiken Statuen nicht ersetzt werden sollten. Die Tageszeitung "La Repubblica" zitierte am Freitag den Direktor der Vatikanischen Museen Antonio Paolucci mit den Worten, "es ist eine Schande", dass die Restauratoren Berlusconis Bitte nicht abgelehnt hätten. Die beiden Statuen stehen im Palazzo Chigi, Berlusconis Amtssitz.
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