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USA
Nationalgarde nach Krawallen in Milwaukee mobilisiert

Schüsse in Milwaukee: Mitglieder der Nationalgarde mobilisiert
Auch dieses Auto ging bei den Unruhen in Flammen auf FOTO: ap
Milwaukee . Tödliche Schüsse eines Polizisten auf einen Verdächtigen haben in Milwaukee zu Ausschreitungen geführt. Mittlerweile teilten die Behörden mit, dass beide Beteiligten schwarzer Hautfarbe waren.

Aus Sorge vor neuen Unruhen nach tödlichen Schüssen eines Beamten auf einen Afroamerikaner hat der Gouverneur des Staats Wisconsin, Scott Walker, die Nationalgarde in Bereitschaft versetzt. 125 Mitglieder der Truppe sollten die Polizei im Falle neuer Krawalle unterstützen, teilten die Behörden mit.

Die Polizei nannte zudem Details zum Hergang des Todes von Sylville Smith, der die Ausschreitungen im überwiegend von Schwarzen bewohnten Norden der Großstadt ausgelöst hatte. Sowohl der 23-jährige getötete Verdächtige als auch der Schütze waren dunkler Hautfarbe. Die Ermittlungen zu dem Fall gingen indes weiter, hieß es.

Schüsse behindern Feuerwehr

Bei den Unruhen, die bis zum frühen Sonntagmorgen andauerten, hatten sich zeitweise bis zu 100 Protestler Auseinandersetzungen mit 20 bis zu 30 Beamten geliefert. Auf die Beamten flogen Steine. Nach einem Bericht der Zeitung "The Journal Sentinel" schmissen einige die Fenster eines Streifenwagens ein, ein anderes Polizeiauto wurde angezündet. Zudem wurden sechs Geschäfte in Brand gesetzt. Die Feuerwehr konnte nicht löschen, weil Schüsse abgefeuert wurden.

Bürgermeister Edward Flynn teilte später mit, 17 Personen seien festgenommen worden. Vier Beamte seien durch umherfliegendes Glas und Straßenbelag verletzt worden, jedoch keiner von ihnen schwer.

Mit Waffe auf Polizisten losgegangen

Stunden zuvor hatte die Polizei nach eigenen Angaben ein Fahrzeug angehalten, in dem Sylville Smith unterwegs war. Dieser sei dann ausgestiegen und weggerannt, sich dann aber mit einer Waffe in der Hand dem Beamten zugewandt, sagte Polizeichef Flynn. Der Polizist habe Smith aufgefordert, die Pistole fallenzulassen, was dieser jedoch nicht getan habe. Wie viele Schüsse der Beamte auf ihn abgab, sei noch unklar. Smith sei jedoch an der Brust und am Arm getroffen worden, sagte Flynn. Ergebnisse der Autopsie der Leiche stünden noch aus, doch lege ein Video der Bodycam des Beamten nahe, dass er sich bei seinem Vorgehen gegen Smith "sicherlich im Rahmen des Gesetzes zu bewegen schien", erklärte Flynn weiter.

Gerichtsakten zufolge hatte der Tote ein langes Vorstrafenregister, die meisten Fälle drehten sich um Ordnungswidrigkeit. Der Sheriff im Bezirk Milwaukee, David Clarke, berichtete zudem, Smith sei 13 Mal festgenommen worden.

Der Polizist, der die Schüsse auf ihn abgegeben haben soll, wurde vom Streifendienst abgezogen und zu Büroaufgaben eingeteilt. Laut den Behörden ist der Beamte 24 Jahre alt und seit drei Jahren bei der Polizei.

Polizei unter Beobachtung

Es war nicht das erste Mal, dass sich Unmut an der Polizei von Milwaukee entzündet hat. Nachdem ein Beamter 2014 einen psychisch kranken Afroamerikaner erschoss, kam es in der Stadt zu Protesten. Forderungen nach einer Polizeireform wurden laut. Im Dezember 2015 kündigte das Justizministerium in Washington eine Kooperation mit der Polizei der Stadt an, um Veränderungen anzustoßen. Fast 40 Prozent der 600.000 Bewohner von Milwaukee sind Afroamerikaner.

Kritiker forderten jedoch, dass der örtliche Polizeiapparat vom Justizministerium genauso gründlich unter die Lupe genommen werden müsse wie jener von Ferguson im Staat Missouri. Dort war 2014 der 18-jährige Afroamerikaner Michael Brown von einem weißen Beamten erschossen worden. Der Fall löste damals gewaltsame Proteste aus und befeuerte die Debatte um den Umfang der Polizei mit US-Bürgern, die Minderheiten angehören. Zuletzt gab es in den USA wiederholt Fälle von Polizeigewalt gegen Afroamerikaner und in der Folge Mordanschläge auf Polizeibeamte.

(crwo/ap)
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