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Schulmassaker in Florida
Hilfssheriff harrte während Bluttat vor Schule aus

Großeinsatz der Polizei nach Schüssen an Schule in Florida
Großeinsatz der Polizei nach Schüssen an Schule in Florida FOTO: ap
Tallahassee. Mehr als eine Woche nach dem Schulmassaker in Florida werden mehr Details vom Tag der Tat bekannt: So soll ein Hilfssheriff, der für die Sicherheit der Schule zuständig war, zwar Stellung vor der Schule bezogen, aber nicht eingegriffen haben.

Der Hilfssheriff, der am Tag des Schulmassakers in Parkland nicht eingriff, ist vom Dienst suspendiert worden. Er habe die Entscheidung getroffen, nachdem er Überwachungsvideos gesehen und mit Zeugen und dem betroffenen Polizisten gesprochen habe, erklärte der Sheriff des Broward County, Scott Israel, am Donnerstag (Ortszeit).

Demnach habe der Hilfssheriff zwar Stellung vor dem Gebäude der Marjory Stoneman Douglas High School bezogen, in dem ein 19-Jähriger auf Menschen schoss, er sei aber nicht hineingegangen, sagte Israel. Der Polizist sei nach der Suspendierung vom Dienst zurückgetreten.

Schulmassaker dauerte sechs Minuten

Der Hilfssheriff hätte in das Schulgebäude gehen und sich dem Amokläufer entgegenstellen und diesen letztlich töten müssen, sagte der Sheriff während einer Pressekonferenz. Bei dem Schulmassaker in Florida kamen in der vergangenen Woche 17 Menschen ums Leben. Er habe keine Worte für das Verhalten des Polizisten, so Israel.

Dieser sei mehr als vier Minuten vor dem Westeingang des Gebäudes gewesen, in dem der mutmaßliche Täter Nikolas C. um sich schoss. Israel erklärte bei der Pressekonferenz, das Massaker habe rund sechs Minuten gedauert. Zuvor war meist von drei Minuten als Dauer gesprochen worden.

Zudem habe es bei dem Einsatz ein Kommunikationsproblem zwischen den Beamten gegeben, die die Überwachungsvideos des Schule einsehen konnte, und deren Kollegen, die an der High School im Einsatz waren. Offenbar war die Übertragung verzögert, wie der Polizeichef von Coral Spings, Tony Pustizzi, mitteilte.

Debatte über schärfere Waffengesetze

Aufzeichnungen von Polizeianrufen zeigten, dass Hinweisgeber im Februar 2016 und November 2017 wegen C. die Behörden kontaktierten. Der erste Anrufer erklärte, er wisse über mehrere Ecken, dass C. ein Schulmassaker plane. Diese Informationen wurden auch an den Hilfssheriff weitergeleitet. Der zweite Anrufer äußerte, dass der 19-Jährige Messer und Waffen horte und dass er denke, C. plane einen Amoklauf.

Der Amoklauf von Parkland flammte die US-Diskussion über striktere Waffengesetze auf. US-Präsident Donald Trump sprach sich für einen bewaffneten Schutz von Schulen aus. Schulen sicherer zu machen, habe eine hohe Priorität für seine Regierung, so Trump.

Kriminologe: Debatte um Bewaffnung von US-Lehrern "absurd"

Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat die Idee, Lehrern verdeckt getragene Waffen zu erlauben, kritisiert. "Dem amerikanischen Präsidenten fällt mit seiner Cowboy-Mentalität nichts Besseres ein, als den Lehrern Waffen in die Hand zu drücken. Das ist absurd", sagte Pfeiffer im Interview der "Passauer Neuen Presse".

Gegen einen Amokläufer habe auch ein überraschter Lehrer keine Chance. "Der beste Weg aus der Gewalt heraus ist, in den USA endlich das elterliche Züchtigungsrecht und das Recht der Lehrer zu schlagen, abzuschaffen."

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Pfeiffer sieht die Ursache für die Gewalt in den USA darin, "dass Kinder dort extrem häufig geschlagen werden". Viele Eltern seien der Ansicht, dass Prügel ab und zu dazugehöre. In 19 US-Bundesstaaten dürften Lehrer zudem ihre Schüler schlagen. "Bei den Kindern entsteht da ein Ohnmachtsgefühl", sagte Pfeiffer laut Bericht - und Waffen, die in den USA leicht zu bekommen seien, verliehen ihnen dann ein "Gefühl von Macht".

(das/ap)
 
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