| 10.27 Uhr

Nach Schulmassaker in Florida
Überlebende kritisiert Trump - "Schämen Sie sich"

Schulmassaker in Florida: Überlebende kritisiert Trump - "Schämen Sie sich"
Emma Gonzales umarmt einen anderen Teilnehmer des Protests in Florida. FOTO: Joe Raedle/Getty Images/AFP
Fotr Lauderdale. Nach dem Schulmassaker in Florida hat eine junge Überlebende in einer Wutrede den Umgang von US-Präsident Donald Trump mit Waffengewalt verurteilt. "Schämen Sie sich", rief Emma Gonzalez am Samstag (Ortszeit) bei einer Anti-Waffen-Demonstration in Fort Lauderdale.

Die Schülerin kritisierte die Nähe Trumps zur US-Waffenlobby NRA und forderte strengere Gesetze. Gonzalez ist Schülerin der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, in der ein früherer Mitschüler am Mittwoch mit einem Schnellfeuergewehr 17 Menschen getötet hatte.

Sie kritisierte Trump dafür, im Präsidentschaftswahlkampf 2016 Geld von der National Rifle Association (NRA) angenommen zu haben. "An alle Politiker, die Spenden von der NRA bekommen haben: Schämen Sie sich", schrie sie vor den mehreren Dutzend Demonstranten. "Schämen Sie sich, schämen Sie sich", skandierte die Menge daraufhin.

Es gehe um "Leben oder Tod" und nicht um Politik

"Wenn der Präsident mir ins Gesicht sagt, dass das eine schreckliche Tragödie war (...) und dass man nichts tun kann, frage ich ihn, wie viel Geld er von der National Rifle Association bekommen hat", fügte Gonzalez hinzu. "Ich weiß es: 30 Millionen Dollar." Die Schülerin forderte schärfere Waffengesetze. Dabei gehe es um "Leben oder Tod" und nicht um Politik, sagte die 18-Jährige.

In ihrer Rede wies sie die Kritik des Präsidenten zurück wonach Nachbarn und Mitschüler die Behörden nicht vor dem späteren Schützen Nikolas Cruz nicht gewarnt hätten. "Das haben wir getan. Immer und immer wieder", sagte Gonzalez.

Großeinsatz der Polizei nach Schüssen an Schule in Florida FOTO: ap

Die Wutrede der Schülerin mit dem fast kahlrasierten Kopf verbreitete sich rasant in den sozialen Netzwerken. Ihr Name wurde im Kurzbotschaftendienst Twitter zu einem der Haupt-Schlagwörter.

Der US-Präsident lehnt schärfere Waffengesetze ab. Nach dem Massaker in Parkland kündigte Trump einen besseren Schutz von Schulen an, zur weiten Verbreitung von Schusswaffen und zum Waffenrecht äußerte er sich aber nicht. Trump, der am Freitag Überlebende des Massakers besucht hatte, traf sich am Samstag mit örtlichen Politikern und dem Direktor der Marjory Stoneman Douglas High School.

Trump kritisiert Demokraten und FBI

Via Twitter warf Trump den Demokraten vor, sie hätten es zu Beginn der Amtszeit seines Vorgängers Barack Obama versäumt, schärfere Gesetze zu erlassen. Sie hätten damals ihre Mehrheit im Kongress nicht genutzt. "Sie wollten es nicht und jetzt reden sie nur", schrieb Trump. Nachdem sich die Mehrheitsverhältnisse geändert hatten, waren Obamas Initiativen für ein strengeres Waffenrecht mehrfach am Widerstand der Republikaner gescheitert.

Außerdem kritisierte er das FBI. Die Bundespolizeibehörde habe viele Signale übersehen, weil sie zu sehr damit beschäftigt gewesen sei, eine Zusammenarbeit zwischen Russland und der Trump-Wahlkampfkampagne nachzuweisen, schrieb der Präsident am Samstagabend (Ortszeit) auf Twitter. "Es gibt keine Absprachen. Geht zurück zum Wesentlichen und macht uns alle stolz!"

Die US-Behörden gerieten stark in die Kritik, weil sie das Blutbad offenbar hätten verhindern können: Die US-Bundespolizei FBI räumte am Freitag ein, dass einem Warnhinweis zu dem späteren Täter nicht nachgegangen wurde. Anfang Januar hatte ein Anrufer das FBI gewarnt, dass der 19-Jährige offenbar ein Schulmassaker plane. Er informierte das FBI zudem über Cruz' Waffenbesitz sowie dessen Tötungsabsichten und verstörenden Einträge in sozialen Netzwerken.

Auch die örtliche Polizei wusste von dem Aggressionspotenzial des jungen Mannes: Seine Mutter hatte wegen seiner Gewaltausbrüche mehrmals die Polizei gerufen.

(AFP)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Schulmassaker in Florida: Überlebende kritisiert Trump - "Schämen Sie sich"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.