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Gefährlicher Trend
Selfies mit Todesfolge

Selfies mit Todesfolge - gefährlicher Trend
Lebensmüde? Ein russischer Selfiejäger scheut kein Risiko und verschafft sich für seine Fotos Zutritt zu hohen Gebäuden wie hier in Hongkong. Die Aufnahme ist zurzeit im Düsseldorfer NRW-Forum in der Ausstellung "Ego Update" zu sehen (bis 17. Januar 2016). FOTO: Vitaliy Raskalov
Düsseldorf. Selfies sind im Trend. Vor allem Jugendliche sind stets auf der Suche nach dem spektakulärsten Foto. Manchmal riskieren sie zu viel und bringen sich selbst in Gefahr - zum Beispiel, wenn sie sich auf Bahngleisen oder auf hohen Gebäuden fotografieren. Einige Foto-Versuche endeten bereits tödlich. Von Laura Schameitat und Carolin Skiba

Es sollte bloß eine Erinnerung an einen lustigen Abend werden. Die Gelegenheit, ein einzigartiges Foto zu schießen. Doch die beiden Freunde (21 und 20 Jahre alt) unterschätzten die Gefahr, als sie in der Nacht zu Sonntag auf einen abgestellten Zug am Schorndorfer Bahnhof stiegen, um ein besonderes Fotos zu machen. Vor den Augen ihrer Bekannten (18), die von unten das Foto schießen sollte, erlitten die beiden einen 15.000-Volt-Stromschlag. Derzeit kämpfen sie in einer Klinik um ihr Leben.

Es ist nicht der erste Fall, in dem sich Menschen in Lebensgefahr begeben, um ein außergewöhnliches Foto zu schießen. Meistens handelt es sich dabei um Selfies - Selbstporträts, die aus der eigenen Hand mit dem Handy oder der Digitalkamera geschossen werden. Ein Trend, der schon lange in den sozialen Netzwerken im Internet zu beobachten ist. Immer extremer, ungewöhnlicher und schriller müssen die Fotos sein, um möglichst viele Menschen zu beeindrucken. Mit Narzissmus habe das der amerikanischen Medienpsychologin Pamela Rutledge zufolge jedoch nichts zu tun. Vielmehr sei die Jagd nach Anerkennung etwas ganz Normales, jeder Mensch wolle anerkannt werden. Selbstbildnisse habe es schließlich schon in der Antike gegeben.

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Doch in Zeiten sozialer Netzwerke verbreiten sich diese Selbstbildnisse rasend schnell, animieren dazu, es den Freunden gleichzutun, oder sie, wenn möglich, noch zu übertreffen. Ein Trend, den auch zahlreiche Prominente mitmachen. Viele nutzen die Selbstbildnisse, um ihren Fans einen Einblick in ihr Leben zu geben, indem sie sie in sozialen Netzwerken online stellen.

Im Fall der ehemaligen Miss Österreich, die bei einem Sturz am Bergisel in Innsbruck ums Leben kam, wurde ebenfalls spekuliert, ob ihr Tod durch ein Selfie verursacht wurde. Mittlerweile haben die Ermittler diese Vermutung aber weitgehend wieder verworfen. Das Model, das nach dem Sturz noch seinen Bruder anrief, hätte das Handy vermutlich nicht mehr in der Hand gehalten, hätte es dieses vor dem Sturz benutzt. Vermutlich habe sie es mit letzter Kraft aus der Tasche gezogen. Abwegig ist die Vermutung allerdings nicht. Das zeigt der Fall aus Portugal, wo ein Pärchen vor den Augen seiner Kinder von einer Klippe in den Tod stürzte, während es dabei war, das perfekte Urlaubsfoto zu schießen. Die Eltern waren hinter eine Absperrung geklettert.

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Meist sind es aber junge Leute, die für das perfekte Selbstbild hohe Risiken eingehen. So ist zum Beispiel der Trend beliebt, auf besonders hohe Gebäude zu steigen, wie den 820 Meter hohen Wolkenkratzer Burj Khalifa in Dubai. Für das "Selfie mit Aussicht" gilt: je höher und gefährlicher, desto besser.

Eine Variante des Trends, die auch die Polizei bundesweit beschäftigt, sind Selfies auf Bahngleisen - besonders bei Mädchen im Teenageralter beliebt. Dabei stellen sich zwei Freundinnen rechts und links neben die Gleise, die Hände sind über dem Gleis ineinander gelegt. "Die Mädchen spielen mit der Romantik der Gleise. Das Schienenpaar, das bis zum Horizont geht, ist Symbol für die ewig währende Freundschaft", sagt Martin Voigt, der an der Universität München zum Thema "Mädchenfreundschaften in sozialen Netzwerken" forscht. Auch die Suizidkomponente spiele bei den Bilder durchaus eine Rolle. "Sie wollen zeigen, dass sie der besten Freundin überallhin folgen würden", sagt Voigt.

Tier-Selfies aus der Serengeti FOTO: dpa, mbk

Im besten Falle machen sich die Jugendlichen mit ihrem Fotoshooting auf den Gleisen nur strafbar - Straftatbestand ist die "Gefährdung des Bahnverkehrs" -, im schlimmsten Fall jedoch werden sie vom Zug erfasst. So geschehen beispielsweise vor zwei Jahren im westfälischen Lünen. Dort kamen zwei Mädchen (14 und 15 Jahre) ums Leben.

Die Polizei ist angesichts dieses Phänomens oft hilflos. Zu selten gelingt es, die Jugendlichen auf frischer Tat zu ertappen und durch eine Verwarnung oder eine Anzeige ein Exempel zu statuieren. So hilft nur die Prophylaxe. "Geschulte Kollegen besuchen Schulen und erläutern die Gefahren", sagt Armin Roggan, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Düsseldorf.

Wie gelingt das perfekte Selfie? Ein Forscher der Universität Stanford gibt Tipps.

Quelle: RP
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