Langsame Gewöhnung an die Außenwelt: So leben die Kellerkinder jetzt
zuletzt aktualisiert: 01.05.2008 - 10:59Amstetten (RPO). Für Elisabeth F. und ihre Kinder beginnt nach ihrer Befreiung aus dem Kellerverlies jetzt langsam die Gewöhnung an das Leben in Freiheit. Vor allem für die beiden Söhne, die bis zum vergangenen Samstag nur den Keller kannten, eröffnet sich eine völlig neue Welt.
Die beiden Jungen aus dem Kellerverlies von Amstetten blühen in der Freiheit offenbar regelrecht auf. Zum ersten Mal in ihrem Leben haben Stefan (18) und Felix (5) genug Platz, um sich frei zu bewegen, zu spielen und zu turnen. Im Nervenklinikum Amstetten, wo sich die Familie aufhält, stehen sie oft am Fenster, betrachten fasziniert die Sonne und den Mond. Das natürliche Licht hatten sie in ihrem Kerker nie gesehen.
Die Familie, bestehend aus der 24 Jahre lang gefangenen Elisabeth F., den beiden im Keller aufgewachsenen Söhnen Stefan und Felix und den drei von Josef F. aufgezogenen Kindern, hat eine etwa 80 Quadratmeter große Wohnung in in der Klinik bekommen. Die Wohnung ist bewußt so gestaltet, dass sie die Befreiten nach der langen Zeit im kleinen Kellerverlies nicht überfordert. Der Raum soll Ihnen Sicherheit geben.
Hier lernen sich die zusammengeführten Geschwister auch zum ersten Mal kennen und nähern sich einander vorsichtig an. Am Mittwoch wurde der zwölfte Geburtstag eines Bruders mit Torte gefeiert. Von einem normalen Leben sind die Kinder aus dem Keller aber noch weit entfernt.
Die beiden Jungen können nicht richtig sprechen. Um sich untereinander zu verständigen, gebrauchen sie eine Art Geheimsprache aus Knurr- und Gurrlauten. "Das ist ein Code zur gegenseitigen Verständigung, durch den sie sich nach außen abgrenzen", sagte Dr. Bernd-Rüdiger Jülisch, pädagogischer Psychologe an der Humboldt-Universität Berlin gegenüber der Zeitung "Express".
Zwar sind die beiden Jungen im Klinikum in logopädischer Behandlung, doch Jülich beürchtet "dass die Kinder trotz Therapie in ihrer Sprachentwicklung dauerhaft eingeschränkt bleiben."
Die älteste Tochter Kerstin, 19 Jahre alt, liegt zudem weiterhin auf der Intensivstation der Klinik, sie leidet unter Nierenversagen und hat durch Sauerstoffmangel Hirnschäden erlitten. Es ist unwahrscheinlich, dass sie jemals voll zu Kräften kommen wird. Auch der 18-jährige Stefan ist schwer traumatisiert, hat zudem niemals eine Schule besucht. Am wahrscheinlichsten in der Weg in ein normales Leben noch für den erst fünfjährigen Felix.
Alles zum Inzest-Fall von Amstetten finden Sie hier.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum