Drei Deutsche in Afghanistan getötet: Soldaten starben offenbar auf dem Rückweg
zuletzt aktualisiert: 23.06.2009 - 18:27Berlin/Kabul (RPO). Verwirrung um die drei toten Bundeswehr-Soldaten im Norden Afghanistans: Die Männer sind offenbar nicht wie angenommen während eines Feuergefechtes getötet worden, sondern bei einem Unfall auf dem Rückweg von den Kämpfen.
Die Bundeswehrsoldaten starben nach Angaben der NATO-Truppe ISAF und des Provinzgouverneurs von Kundus bei einem Unfall in Zusammenhang mit einem Angriff auf ihre Patrouille. Die Taliban bekannten sich zu dem Überfall auf die deutsche Patrouille nahe der Stadt Kundus.
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte, die Soldaten seien "im Einsatz für den Frieden gefallen". Nach Bundeswehrangaben wurde die Patrouille um 11.50 Uhr (Ortszeit; 09.29 Uhr MESZ) mit Handwaffen und Panzerabwehr-Handwaffen angegriffen.
Die Soldaten hätten das Feuer erwidert und Luftunterstützung und Reservekräfte angefordert. Der Angriff ereignete sich rund sechs Kilometer südwestlich vom Standort des Regionalen Wiederaufbauteams Kundus.
Das Bundeswehr-Feldlager dort ist immer wieder Ziel von Rebellenangriffen. Zuletzt geriet Ende April ein Bundeswehrsoldat nordwestlich von Kundus in einen Hinterhalt geraten und wurde getötet.
ISAF-Sprecher Chris Hall sagte, die drei deutschen Soldaten seien in einen "Vorfall" mit Aufständischen mit Schusswechsel verwickelt gewesen. Ums Leben gekommen seien die drei Deutschen später, nachdem sie den Schauplatz des Gefechts verlassen hätten. Ihr Fahrzeug habe sich überschlagen, wodurch die drei getötet worden seien. Einzelheiten nannte Hall nicht.
Der Provinzgouverneur von Kundus, Mohammed Omar, bestätigte Halls Äußerungen der Nachrichtenagentur AFP weitgehend. Er berichtete, die Bundeswehrsoldaten sowie einheimische Polizei- und Geheimdienstmitarbeiter seien auf Patrouillenfahrt gewesen, als Taliban sie überfallen hätten. Demnach gab es einen Schusswechsel, bei dem aber niemand ums Leben kam.
Im Wassergraben steckengeblieben
Beim Wegfahren sei einer der Panzer der Deutschen in einem Wassergraben steckengeblieben, die Soldaten hätten sich nicht befreien können und seien ums Leben gekommen. "Spiegel Online" hatte zuvor unter Berufung auf Omar berichtet, die Soldaten seien ertrunken, als ihr Panzer vom Typ "Fuchs" bei einem Ausweichmanöver in einen Wassergraben gestürzt sei.
Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid sagte: "Wir haben die deutschen Truppen im Bezirk Schahar Dara angegriffen." Nach seiner Darstellung wurden allerdings zehn deutsche Soldaten getötet und zwei Panzer zerstört. Die Taliban bekannten sich auch zu einem ebenfalls am Dienstag verübten Selbstmordanschlag auf einen US-Militärkonvoi in der Ostprovinz Ghasni, durch den zwei Passanten starben.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich tief betroffen über den Tod der deutschen Soldaten. Er verurteile den "feigen Angriff" auf das Schärfste, erklärte er.
Ebenfalls im Norden Afghanistan wurden drei Mitarbeiter einer Hilfsorganisation durch die Detonation eines ferngezündeten Sprengsatzes getötet. Die Helfer der Organisation DHSA seien zu einem Bezirk im Grenzgebiet zu Usbekistan und Turkmenistan unterwegs gewesen.
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