370 Millionen Euro: Spendenrekord in Deutschland
zuletzt aktualisiert: 11.01.2005 - 17:26Frankfurt/Main (rpo). Die Flutkatastrophe in Südostasien hat in Deutschland zu einer noch nie dagewesen Spendenbereitschaft geführt. Am Dienstag wurde der bisherige Rekord während des Elbehochwassers im Jahr 2002 übertroffen: Insgesamt 370 Millionen Euro kamen bislang allein bei den großen Hilfsorganisationen zusammen.
Allein beim Deutschen Roten Kreuz, dem größten Spendensammler in Deutschland, sind bislang 74,6 Millionen Euro eingegangen. Zweistellige Millionenbeträge erhielten auch die Aktion Deutschland hilft (ADH), das Kinderhilfswerk UNICEF, die Spendenaktion von ZDF und der "Bild"-Zeitung, Ärzte ohne Grenzen, Caritas, Diakonie und Welthungerhilfe.
Die ADH teilte in Berlin mit, in den von der Flut betroffenen Regionen seien bereits 17 Millionen Euro in Soforthilfe-Projekte umgesetzt worden. Insgesamt werde der Hilfseinsatz fünf bis sechs Jahre in Anspruch nehmen, sagte Vorstandsmitglied Manuela Roßbach.
In der Aktion unter der Schirmherrschaft von Altbundespräsident Richard von Weizsäcker arbeiten Malteser Hilfsdienst, Arbeiterwohlfahrt, World Vision, ADRA, CARE, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Johanniter-Unfall-Hilfe, Arbeiter-Samariter-Bund, Help und action medeor zusammen.
In Bayern sollen die Hilfsprojekte für die Flutopfer in Südasien gebündelt werden. Eine Koordinierungskonferenz im Innenministerium werde die Maßnahmen von mehr als 20 Hilfsorganisationen, privaten Initiativen, Kirchen und Wirtschaft abstimmen, sagte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber. Die Hilfe konzentriere sich auf die am schlimmsten betroffenen Länder Sri Lanka und Indonesien.
Unionspolitiker halten sich mit Kritik zurück
Unterdessen relativierte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) seine Kritik im Zusammenhang mit der Bundeshilfe von 500 Millionen Euro für die Flutopfer. Er habe "weder die Bereitstellung der Mittel noch deren Höhe kritisiert", betonte Wulff. Allerdings müsse die Finanzierung der Hilfe konkret dargelegt, und es dürften andere bedürftige Regionen durch die Fluthilfe nicht benachteiligt werden.
In der "Neuen Presse" begrüßte der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schäuble "angesichts der Dramatik dieser Katastrophe" außergewöhnliche Maßnahmen. Der CDU-Haushaltsexperte Dietrich Austermann nannte es dagegen "schlicht unredlich", angesichts der Haushaltsrisiken zu behaupten, die Tsunami-Hilfe könne ohne neue Schulden oder Einschnitte aufgebracht werden.
Die Schirmherrin von UNICEF Deutschland, Eva Luise Köhler, will vorerst nicht in die südasiatischen Katastrophengebiete reisen. Sie wolle die Hilfe vor Ort nicht behindern, sagte die Ehefrau von Bundespräsident Horst Köhler im Bayerischen Rundfunk: "Ich denke, die Flugzeuge sollten jetzt wirklich für Hilfe vor Ort benutzt werden, und nicht, um mich jetzt dahin zu bringen."
Vorangegangen war Kritik aus den Vereinten Nationen, dass die Nothilfearbeiten in den Krisengebieten durch die Serie von Besuchen ausländischer Politiker empfindlich gestört worden seien. Für einige von ihnen hätten aus Sicherheitsgründen ganze Flughäfen abgeriegelt werden müssen.
Nachfolgend eine Auswahl der wichtigsten Organisationen und Initiativen mit den bislang bekannten Spendensummen:
Deutsches Rotes Kreuz: 74,6 Millionen Euro
Aktion Deutschland hilft: 70 Millionen Euro
UNICEF: 50 Millionen Euro
Spendenaktion von ZDF und "Bild": 40,6 Millionen Euro
Ärzte ohne Grenzen: 40 Millionen Euro
Caritas: 27 Millionen Euro
Diakonie Katastrophenhilfe: 19 Millionen Euro
Deutsche Welthungerhilfe: 12 Millionen Euro
Spendenaktion der Stiftung RTL: 9,44 Millionen Euro
Kindernothilfe: 6 Millionen Euro
Terre des Hommes: 5,2 Millionen Euro
Ärzte für die Dritte Welt: 4,2 Millionen Euro
Humedica: 3,5 Millionen Euro
Misereor: 3,2 Millionen Euro
Plan International: 1,4 Millionen Euro
CARE: 1,25 Millionen Euro
Christoffel-Blindenmission: 1 Million Euro
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