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Südafrika
Bezirk vergibt Schul-Stipendien an Jungfrauen

Johannesburg . Ein südafrikanischer Bezirk hat trotz großer Kritik von Menschenrechtlern Stipendien für den Schulbesuch speziell für Jungfrauen ausgelobt.

Damit die Schulgebühren und andere Kosten bis zum Abitur übernommen werden, müssen die Mädchen in regelmäßigen Abständen nachweisen, dass sie Jungfrauen sind, wie Bezirksvorsteherin Dudu Mazibuko am Montag erklärte. Der Bezirk Uthukela in der Provinz KwaZulu-Natal, in dem knapp 700.000 Menschen leben, vergibt demnach 16 solcher Stipendien.

Mazibuko will damit mögliche HIV-Infektionen und zu frühe Schwangerschaften vermeiden. "In unserem Bezirk haben wir ein riesiges Problem mit Teenagern, die vor dem Schulabschluss schwanger werden", sagte Mazibuko. Solche Schwangerschaften führen oft zu einem vorzeitigen Schulabbruch, was für die jungen Frauen die Gefahr von Arbeitslosigkeit und einer anhaltenden Abhängigkeit von der Familie erhöht. Dem öffentlichen Rundfunk SABC zufolge zählte das Erziehungsministerium 2014 rund 20.000 Schwangerschaften von Schülerinnen, 223 davon bei Grundschülerinnen. 

Das Stipendium soll den Schülerinnen auch erhalten bleiben, wenn sie eine Universität besuchen. "Wenn sie Jungfrauen bleiben", sagte Mazibuko.  

"Das ist eine Verletzung ihrer Menschenrechte"

Menschenrechtler verurteilten den Plan als diskriminierenden Eingriff in die Privatsphäre, der das Recht auf Selbstbestimmung verletze. "Diese Mädchen sind arm, sie haben keine andere Wahl, als sich um ein Stipendium zu bemühen", sagte Mbuyselo Botha vom südafrikanischen Netzwerk für Geschlechtergerechtigkeit. "Das ist Unterdrückung, eine Verletzung ihrer Menschenrechte." Die größte Oppositionspartei des Landes, die Demokratische Allianz, verurteilte den Plan und kündigte eine Anrufung der südafrikanischen Menschenrechtskommission an. 

Die Jungfräulichkeit der Stipendiatinnen soll von älteren Frauen aus dem Volksstamm der Zulu überprüft werden, wie Mazibuko erklärte. Die Frauen kontrollieren dies auch jedes Jahr in ländlichen Gebieten KwaZulu-Natals bei vielen Mädchen anlässlich eines traditionellen Tanzes, des "Umhlanga"-Tanzes (Schilfrohr-Tanz). Ein negatives Ergebnis ist für ein Mädchen jedoch ein schweres Stigma, das auch ihre Heiratschancen mindert. Mediziner halten die Tests für sehr unzuverlässig, da das Jungfernhäutchen zum Beispiel auch beim Sport reißen kann.

(felt/dpa)
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