Schwedische Akademie hat entschieden: Südafrikaner J.M. Coetzee erhält Nobelpreis für Literatur
zuletzt aktualisiert: 02.10.2003 - 13:02
Stockholm (rpo). Der Südafrikaner John Maxwell Coetzee erhält in diesem Jahr
den Nobelpreis für Literatur. Das hat die Schwedische Akademie entschieden. Der 63-Jährige ist nach Nadine Gordimer der zweite Südafrikaner, der den Preis erhält.Zur Begründung sagte die Akademie, Coetzee "porträtiert die Teilhaftigkeit des Menschen an der Vielfalt des Daseins in oft überrumpelnder Weise".
Die Nobelpreise sind mit jeweils umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Sie werden immer am 10. Dezember überreicht, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896). Im vergangenen Jahr hatte der ungarische Autor Imre Kertész die höchste literarische Auszeichnung erhalten. Letzter deutscher Preisträger war 1999 Günter Grass.
Deutscher und englischer Herkunft
John Maxwell Coetzee wurde 1940 in Kapstadt in Südafrika geboren. Er ist deutscher und englischer Herkunft. Die Eltern schickten ihn auf eine englische Schule, und er wuchs mit Englisch als erster Sprache auf.
Anfang der sechziger Jahre zog er nach England, wo er anfangs als Computerprogrammierer arbeitete. Er studierte dann in den USA Literaturgeschichte und lehrte im Anschluß daran bis 1983 Literatur und Englisch an der State University of New York in Buffalo.
1984 wurde er Professor für englische Literatur an der Universität in Kapstadt. 2002 wanderte er nach Australien aus, wo er für die Universität in Adelaide tätig ist.
Nie zwei Bücher nach demselben Rezept
Ein grundlegendes Thema in Coetzees Romanen sind die Wertungen und Verhaltensweisen, die das südafrikanische Apartheid-System mit sich geführt hat, die aber ihm zufolge überall entstehen können.
Der Variationsreichtum in Coetzees Werk ist groß. Er verfertigt nie zwei Bücher nach demselben Rezept. Bei beharrlicher Lektüre tritt als ein sich wiederholendes Muster die Fahrten in einem sich nach unten drehenden Strudel hervor, die er für die Erlösung seiner Gestalten als notwendig erachtet.
Seine Helden werden von der Sehnsucht zu sinken übermannt, aber gewinnen paradoxerweise Stärke dadurch, daß sie aller äußeren Würde entkleidet werden.
Coetzees letztes Buch Elizabeth Costello : Eight Lessons von 2003 ist eine Mischung von Essay und Fiktion, wovon Teile aus anderen veröffentlichten Werken wie What is Realism? und The Lives of Animals stammen.
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