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Londoner Augenzeugen berichten
Im Mülleimer verstecken, mit Flaschen werfen

Terroranschläge erschüttern London
Terroranschläge erschüttern London FOTO: rtr, DJM/wy
London. Der Anschlag in London erinnert an die Attacke vom März, bei der ebenfalls Fußgänger auf einer Brücke angegriffen worden waren. Am Morgen berichten Betroffene, wie sie die bangen Minuten überstanden.

Der jüngste Anschlag in London verwandelte einen Sommerabend in eine Szene der Panik und des Chaos. Die mit Messern bewaffneten Attentäter griffen Menschen in Bars und Restaurants in der Gegend Borough Market an. Zuvor waren sie mit einem Kleinlaster auf der London Bridge in Passanten gerast.

Polizisten rannten durch belebte Straßen, forderten Menschen schreiend auf, zu flüchten. Rettungsboote auf der Themse halfen bei der Evakuierung des Gebiets. Bei Morgendämmerung am Sonntag war die Gegend am südlichen Ufer der Themse weiter abgeriegelt.

Nur Stunden zuvor waren Schüsse durch die Straßen gehallt. Mindestens drei Explosionen waren zu hören, als Beamte kontrollierte Sprengungen vornahmen. Acht Minuten nach dem ersten Notruf waren alle drei Angreifer tot.

Terror-Attacke in London: Bilder aus der Nacht

Augenzeugen berichten:

Gerard Vowls sagte der Zeitung "The Guardian", er habe gesehen, wie drei Männer am südlichen Ende der London Bridge auf eine Frau eingestochen haben. Er habe Stühle, Gläser und Flaschen auf die Angreifer geworfen, um sie zu stoppen. Sie hätten auch versucht, auf ihn einzustechen, sagte Vowls. "Sie stachen auf alle ein. Böse, böse Menschen."

Der Barkeeper Alex Martinez sagte, er habe sich eine halbe Stunde lang in einem Mülleimer versteckt, als ein Mann in das Restaurant gestürmt sei, in dem er arbeitete. "Ich sah diesen Mann mit einem Messer in der Hand und danach fing ein Mann an zu schreien, also wusste ich, dass etwas Schlimmes passierte", sagte Martinez.

Sanitäter behandelten die Verletzten nahe dem Markt, um sie herum weinten und schrien schockierte Menschen. Die Polizei forderte Leute auf, aus der Gegend wegzurennen.

Ein Twitter-Nutzer verbreitet ein Video, das in einer Bar in der Nähe der London Bridge entstand. Mehrere Polizisten stürmen die Kneipe und fordern die Gäste auf, sich auf den Boden zu setzen oder zu legen. "Get down! Get down!", rufen sie immer wieder. Gegen Ende ist zu hören, wie ein Gast offenbar auf die Terroristen schimpft: "Cunts, cunts!"

Simon Thompson berichtete bei "Sky News", er habe sich kurz vor dem Borough Market befunden, als er gesehen habe, wie Menschenmengen flüchteten. "Wir rannten etwa 100 Meter und sahen dann, wie eine Menge Polizeiwagen auftauchte und es gab eine Phase von ziemlich heftigen Schüssen", sagte Thompson. "Ich versteckte mich etwa eine Stunde lang in einem Keller eines Restaurants."

Viele der Tausenden Menschen, die aus der Gegend der Anschläge strömten, konnten angesichts geschlossener U-Bahn-Stationen nicht nach Hause. Anwohner boten ihnen ihre Hilfe an.

Ein Pub in der Gegend öffnete seine Türen für Menschen, die aus Hotels gebracht wurden. Mindestens eine Taxi-Firma bot Gestrandeten kostenlose Fahrten an. Ein Sikh-Tempel wurde geöffnet, um Betroffenen Essen und eine Unterkunft zu geben.

(csi/ap/dpa)
 
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