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Nach den Terroranschlägen von Paris
Der Brüsseler Vorort Molenbeek – ein Rückzugsort der Islamisten

Der Brüsseler Problem-Stadtteil Molenbeek
Der Brüsseler Problem-Stadtteil Molenbeek FOTO: afp, ed/nb
Brüssel. Im Brüsseler Vorort Molenbeek hat es am Samstagabend im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris sieben Festnahmen gegeben. Der als problematisch geltende Stadtteil war schon häufiger Ziel von Polizei-Razzien. Immer wieder wurden dort Terrorverdächtige festgenommen oder Wohnungen durchsucht.  Von Christopher Ziedler

Die Rockband Eagles of Death Metal, deren Konzert im Pariser Club "Bataclan" in einem Blutbad endete, sollte am Sonntag in Brüssel gastieren. Der Auftritt im Cirque Royal wurde natürlich abgesagt – das freilich ist in Belgien am Wochenende nur eine Randnotiz gewesen. Denn die Einwohner des Königreichs mussten schmerzlich erfahren, dass nicht nur zwei Landsleute unter den Opfern von Paris sind, sondern mehrere Einwohner des Landes in die Schreckenstat verwickelt scheinen. Sieben Festnahmen gab es am Samstagabend in der Brüsseler Teilgemeinde Molenbeek. "Man kann davon ausgehen, dass es sich um ein Netzwerk handelt", sagte Molenbeeks Bürgermeisterin Françoise Schepmans.

Innenpolitisch haben die neuen Erkenntnisse eine heftige Debatte darüber ausgelöst, was nun in Molenbeek zu tun ist. Der Brüsseler Vorort hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Hochburg des Dschihadismus entwickelt. Gemessen an der Einwohnerzahl sind aus keinem anderen EU-Land mehr Menschen in das Krisengebiet in Syrien und im Irak gezogen. Nach Schätzungen von Sicherheitsbehörden stammten zuletzt rund 500 IS-Kämpfer aus dem elf Millionen Einwohner zählenden Belgien. Überproportional viele sollen aus der Brüsseler Teilgemeinde im Westen der Stadt kommen. So förderte es im vergangenen Jahr der Anti-Terror-Prozess gegen "Sharia4Belgium" zutage. Die Organisation hatte Kämpfer für Syrien rekrutiert.

Auch der französische Syrien-Rückkehrer Mehdi Nemmouche kam in Molenbeek unter, ehe er im Mai 2014 im Jüdischen Museum von Brüssel um sich schoss und vier Menschen tötete. Und der Marokkaner Ayoub al Khazzani, der im August dieses Jahres in Brüssel den Schnellzug nach Paris mit einer Maschinenpistole bestieg, aber überwältigt werden konnte, hatte zuvor bei seiner Schwester in Molenbeek gewohnt. Zudem soll sich einer der Strippenzieher der Anschläge von Madrid im Jahr 2004 länger dort aufgehalten haben.

Molenbeek gilt seit Jahren als Problemstadtteil mit einer kaum zugänglichen Parallelgesellschaft. In dem Ort mit einer Arbeitslosenquote von rund 30 Prozent und einem hohen Anteil kaum integrierter muslimischer Einwanderer ist der Salafismus besonders stark verankert. Zwei junge Männer, die im Januar im ostbelgischen Verviers einen Anschlag planten und von der Polizei erschossen wurden, hatten zuvor den Predigten eines radikalen Imams aus Saudi-Arabien in einer der zahlreichen Moscheen zugehört – in Molenbeek.

"Ich stelle fest, dass es beinahe immer eine Verbindung nach Molenbeek gibt – das ist ein gigantisches Problem", sagte der belgische Premierminister Charles Michel. "Wir haben im Kampf gegen die Radikalisierung eine Präventionsstrategie, nun muss es auch mehr staatlichen Druck geben."

Innenminister Jan Jambon kündigte an, er werde "in Molenbeek aufräumen". Gestern Nachmittag traf Jambon zu Beratungen mit dem französischen Innenminister Bernard Cazeneuve in Paris ein. Französische Polizisten sind bereits nach Brüssel gereist, um vor Ort mit ihren belgischen Kollegen zu ermitteln.

Über die aktuellen Entwicklungen nach dem Terror in Paris halten wir Sie in unserem Live-Blog auf dem Laufenden.

Quelle: RP
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