Geplante Attentate auf U-Bahn: Terrorverdächtiger in Washington festgenommen
zuletzt aktualisiert: 28.10.2010 - 14:29Washington (RPO). Wegen der Planung von Terroranschlägen auf U-Bahnstationen im Großraum Washington ist ein aus Pakistan stammender US-Bürger festgenommen worden. Der 34-jährige Farooque Ahmed habe eine Reihe zeitgleicher Attentate auf U-Bahn-Stationen in Vororten von Washington vorbereitet, teilte das US-Justizministerium am Mittwoch mit. Sein Ziel sei es gewesen, kommendes Jahr "so viele U-Bahn-Passagiere wie möglich zu töten".
Ahmed habe seit April Bahnstationen in Washingtoner Vororten im US-Bundesstaat Virginia ausgespäht, teilte das Justizministerium mit. Demnach fotografierte und filmte er die Stationen und fertigte Zeichnungen von ihnen an. Dabei habe er die Absicht verfolgt, die Orte und Zeitpunkte zu ermitteln, an denen bei einem Anschlag die meisten Menschen sterben würden.
Während der sechsmonatigen Vorbereitungen habe Ahmed Kontakte zu Menschen unterhalten, die nach seiner Überzeugung Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida unterhielten. Vergangenen Monat habe er die Daten über die U-Bahnstationen an "ein Individuum, das seiner Annahme nach mit El Kaida in Verbindung stand" ausgehändigt, heißt es in der Anklageschrift. Die Formulierungen legen nahe, dass verdeckte Ermittler die vermeintlichen El-Kaida-Kontaktleute mimten.
Der Fall unterstreiche "die Notwendigkeit kontinuierlicher Wachsamkeit gegenüber terroristischen Bedrohungen", erklärte der Beauftragte für nationale Sicherheit im Justizministerium, David Kris. Ahmed soll unter anderem die sehr zahlreich genutzten U-Bahnstationen Pentagon City am US-Verteidigungsministerium sowie Court House ausspioniert haben. Auch die Station am Arlington-Friedhof, auf dem US-Soldaten begraben werden und auch mehrere US-Präsidenten beigesetzt wurden, spähte er den Ermittlern zufolge aus. Er wollte offenbar in Rollkoffern Bomben zu den Anschlagszielen bringen.
Dem Verdächtigen wurde am Mittwoch vor Gericht die Anklageschrift verlesen. Ihm wird unter anderem das Sammeln von Informationen zur Verübung eines Terroranschlags und Unterstützung einer Terror-Gruppe zur Last gelegt. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm 50 Jahre Haft. Am Freitag soll er zu einer Anhörung vor Gericht erscheinen.
Obama in Ermittlungen eingeweiht
US-Präsident Barack Obama war nach Angaben des Weißen Hauses bereits vor Ahmeds Festnahme in die Ermittlungen eingeweiht. Für die Öffentlichkeit habe dabei "zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden", erklärte Obamas Sprecher Robert Gibbs. Die Sicherheitskräfte seien dem Fall "von Beginn an auf der Spur gewesen".
Ahmed lebte in der etwa 40 Kilometer von Washington entfernten Stadt Ashburn im Bundesstaat Virginia. Seine Nachbarin Anushaya Fitzgerald sagte der Nachrichtenagentur AFP, aus ihrer Sicht habe es "keinerlei Anzeichen" gegeben, dass Ahmed ein Terrorist sei. Fitzgerald berichtete zudem, dass Ahmed eine Frau und einen kleinen Sohn gehabt habe, die ihn aber verlassen hätten.
Laut einem Eintrag im sozialen Netzwerk LinkedIn hat Ahmed einen Bachelor-Abschluss in Computerwissenschaften und nahm danach ein Aufbau-Fernstudium im Fach Risikomanagement und Datensicherheit auf.
Anfang Oktober war der pakistanischstämmige US-Bürger Faisal Shazad zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil er im Mai einen Autobombenanschlag auf dem New Yorker Times Square verüben wollte. Der Sprengsatz zündete aber nicht.
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