| 18.32 Uhr

Bis zuletzt Unschuld beteuert
43-Jähriger trotz internationaler Appelle in Texas hingerichtet

Texas: Verurteilter Mörder trotz internationaler Appelle hingerichtet
Der Verurteilte ist hingerichtet worden. FOTO: ap
Trotz internationaler Appelle ist im US-Bundesstaat Texas ein 43-jähriger verurteilter Mörder hingerichtet worden. Sein Anwalt hatte bis zuletzt die Unschuld des Mandanten beteuert. Jetzt ist Richard Masterson am Mittwochabend (Ortszeit) mit einer Giftspritze getötet worden.

Das sagte ein Sprecher der örtlichen Strafvollzugsbehörde der Nachrichtenagentur AFP. Er war verurteilt worden, 2001 in Houston den Transvestiten Darin Honeycutt erwürgt zu haben.

Masterson hatte versichert, das Opfer sei während einvernehmlichen Sexualverkehrs an einem Herzstillstand gestorben. Honeycutt habe ihn zuvor gebeten, ihm den Hals zuzudrücken, um eine Atemnot zur erotischen Stimulation herbeizuführen. Bei dieser Sexualpraxis kann durch den Sauerstoffmangel im Gehirn der Orgasmus verstärkt werden.

Mastersons Anwalt Gregory Gardner hatte vor dem Obersten Gerichtshof der USA versucht, die Hinrichtung in letzter Minute zu verhindern. Er argumentierte mit schwerwiegenden Unregelmäßigkeiten bei der Autopsie von Honeycutts Leiche. Die Geständnisse, die sein drogenabhängiger Mandant abgelegt habe, nachdem er wegen seiner Inhaftierung eine Depression mit Selbstmordgedanken bekommen habe, hätten keine Gültigkeit.

"Ich habe den Supreme Court angerufen, weil erstens Herr Masterson unschuldig ist, zweitens der Staat (Texas) Beweise für die Unschuld von Herrn Masterson vernichtet hat und drittens die vorherigen Anwälte von Herrn Masterson wegen Unfähigkeit Beweise für seine Unschuld nicht vorgebracht haben", sagte Gardner.

Gegen die Hinrichtung hatte sich auch Papst Franziskus gewandt, der ein entschiedener Gegner der Todesstrafe ist. Der Papst verfolge Mastersons Schicksal sehr genau, hatte der österreichische Kardinal Christoph Schönborn am Montag bei einer Pressekonferenz gesagt.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer, zeigte sich am Donnerstag "tief bestürzt" über die Hinrichtung. "Mich betrübt, dass nicht einmal das Gnadengesuch von Papst Franziskus und sein damit verbundener Appell zur Abschaffung der Todesstrafe zu einem Umdenken geführt haben", erklärte Strässer. Die Todesstrafe sei eine "unmenschliche, grausame und unmoralische Art der Bestrafung", die im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr habe.

In den USA wurden im vergangenen Jahr 28 Menschen hingerichtet. Das war die niedrigste Zahl an Hinrichtungen seit 1991. Texas ist der US-Bundesstaat mit den meisten Exekutionen.

(lukra/AFP)
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