| 17.04 Uhr

Weltgrößte Klon-Fabrik in Tianjin
China steigt in die industrielle Klontier-Produktion ein

Diese Klontiere gab es seit Dolly
Diese Klontiere gab es seit Dolly FOTO: AFP
Peking. China will offenbar Vorreiter in Sachen Klontechnik werden: In Tianjin soll die weltgrößte Fabrik zum industriellen Klonen von Haus- und Nutztieren gebaut werden.

Die 200 Millionen Yuan (29,4 Millionen Euro) teure Anlage werde Klon-Labore und eine Gen-Datenbank beherbergen, hieß es am Dienstag in einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Die Klon-Fabrik in der nordchinesischen Hafenstadt Tianjin soll ab nächstem Jahr vor allem Hunde, Rennpferde sowie massenhaft Rinder klonen.

Zunächst sollen 100.000 Klon-Rinder erzeugt werden. Die Produktion solle aber auf eine Million Tiere steigen, wurde der Chef der beteiligten chinesischen Biotech-Firma Boyalife, Xu Xiaochun, in dem Xinhua-Bericht zitiert, der wiederum am Dienstag auf die Boyalife-Website gestellt wurde. Schließlich hätten chinesische Bauern derzeit Mühe, genügend Rinder zu züchten, um der großen Nachfrage zu begegnen. Die neue Fabrik soll darüber hinaus das Klonen von Hunden als Haustiere oder zum Einsatz bei der Polizei anbieten.

Laut Xinhua werden in China bereits seit dem Jahr 2000 Tiere geklont. Zhu Yi, Professor für Lebensmittelkunde an Chinas landwirtschaftlicher Universität, sagte der Nachrichtenagentur AFP, es gebe "fast keinen Unterschied" zwischen geklontem und natürlich gezeugtem Vieh. Dennoch dürften Unternehmen Klon-Fleisch nicht ohne eine "rigorose Risikoeinschätzung" und wiederholte Tests zum Verzehr anbieten.

An der Anlage ist neben Boyalife auch das südkoreanische Unternehmen Sooam Biotech beteiligt. Dessen Gründer Hwang Woo Suk war im Jahr 2004 zu Berühmtheit gelangt, nachdem er in der Fachpresse behauptet hatte, erstmals Stammzelllinien aus einem geklonten menschlichen Embryo entwickelt zu haben. 2005 wurde er durch das erste Klonen eines Hundes bekannt. Sein Ruhm verblasste jedoch, als ein Untersuchungsausschuss der Universität Seoul im Jahr darauf seine gesamte Forschung mit menschlichen Stammzellen als gefälscht entlarvte.

Das gemeinsame Unternehmen von Boyalife und Sooam bietet seit vergangenem Jahr in China Klonen an. Es reproduzierte bereits drei Hundewelpen der Rasse Do Khyi, auch als tibetanische Dogge bekannt.

In sozialen Netzwerken äußerten sich Nutzer beunruhigt über die geplante Klon-Fabrik. "Wird dieses Fleisch in Südkorea oder China verkauft? Wenn in China, bitte sorgt dafür, dass unsere Führer es zuerst essen", schrieb ein Nutzer mit Blick auf die Klon-Rinder. Andere verwiesen darauf, dass China schon in den vergangenen Jahren wiederholt von Lebensmittelskandalen erschüttert wurde.

"Wahnsinn", kritisierte ein Nutzer das Vorhaben, auch Hunde zu klonen. Schon jetzt würden in China viele Hunde getötet, weil niemand sie haben wolle. Für Besorgnis sorgte im Internet auch die Tatsache, dass die Klon-Fabrik in der Nähe des Gefahrgutlagers in Tianjin liegt, das im August explodiert war. Dabei starben nach offiziellen Angaben 165 Menschen. Bei anderen überwogen die ethischen Bedenken gegen die Klon-Fabrik. "Ist der nächste Schritt das Klonen von Menschen?", fragte ein Nutzer besorgt.

(felt/AFP)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Tianjin: China steigt in die industrielle Klontier-Produktion ein


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.