48-jährige Gefangene in USA: Tod nach stundenlanger Hitze-Qual in Außenkäfig
zuletzt aktualisiert: 18.06.2009 - 13:51Phoenix (RPO). Nach stundenlanger Hitze-Qual in einem Käfig ist in den USA eine Gefangene kollabiert und gestorben. Die 48-jährige Marcia Powell musste in einem Gefängnis des US-Bundesstaates Arizona bei 42 Grad unter praller Sonne auf einen Transport in die Psychiatrie warten.
Das sagten Vertreter von Behörden und Häftlingsorganisationen am Mittwoch. Der Chef der Gefängnisbehörde Arizonas, Charles Ryan, sprach von einer "Tragödie".
Der 19. Mai endete für die zu 27 Monaten Haft verurteilte Powell qualvoll. In einen Käfig gesperrt musste die Prostituierte ohne Schatten auf ihren Verlegung warten: Nach rund vier Stunden brach sie zusammen, tags darauf starb sie im Krankenhaus. Experten gehen davon aus, dass ein gesunder männlicher Erwachsener bei Temperaturen über 38 Grad Celsius ohne Wasser binnen fünf Stunden stirbt. In Arizona wird es im Sommer bis zu 49 Grad heiß.
Jetzt ermittelt die Gefängnisaufsicht Arizonas im Fall Powell. "Sie sollte eigentlich nur zwei Stunden dort draußen sein", sagte ein Sprecher. Die Ermittlungsergebnisse würden Ende des Monats erwartet. Vorsorglich seien nach dem Vorfall alle insgesamt 233 Käfigzellen in den Gefängnissen Arizonas geschlossen worden. Die Zellen gebe es seit den 60er Jahren. Sie würden aber nur für Kurzaufenthalte genutzt, wenn Häftlinge verlegt werden sollten.
Versagen des Strafvollzugs eingeräumt
Behördenchef Ryan räumte ein Versagen des Strafvollzugs ein. Powells Tod sei "eine Tragödie und ein Versagen", erklärte er. Die Ermittlungen sollten mögliche Verstöße oder Unterlassungen ans Tageslicht zu bringen. "Es liegt in unserer Verantwortung, für das Wohl und die Bewachung der Häftlinge zu sorgen."
Vertreter von Häftlingsorganisationen reagierten empört. Die Praxis in den zehn staatlichen Gefängnissen Arizonas sei "mittelalterlich und barbarisch", sagte Donna Leone Hamm von der Organisation Middle Ground Prison Reform. In Arizona dürfe man keinen Hund schutzlos und ohne Wasser der Hitze aussetzen. Dass die Gefängnisbehörde den Häftlingen so etwas bislang routinemäßig angetan habe, zeige, wie es um die Menschenrechte im Lande bestellt sei.
Forderung nach unabhängiger Untersuchung
Mit ihrer Forderung einer unabhängigen Untersuchung wandte sich Hamm an die Bundespolizei FBI und das Justizministerium. Sie habe kein Vertrauen in die Unabhängigkeit der Behörden Arizonas. "Sie sollten das nicht selber untersuchen", sagte Hamm. "Wir haben damit so viele Probleme in so vielen Richtungen, dass wir das kaum in Worte fassen können."
Nach eigenen Worten beschwerte sich die Menschenrechtlerin bereits im Dezember 2007 beim Chef der Gefängnisbehörde, dass Häftlinge im Winter ohne Jacken und Decken in die Käfige gesperrt würden.
Gefängnisaufseher hätten die Organisation zudem informiert, dass in einigen Fällen Häftlinge zehn Tage lang rund um die Uhr in den Außenzellen gefangen gehalten worden seien. Die Behörde spreche von "Außengehegen", sagte Hamm. "Das sind Käfige, wie Hundezwinger mit Maschendrahtzaun ringsum und oben. Für Menschen hoch genug zum Stehen, ohne Sitze oder Stühle." Sie wüsste gern, ob Powell Trinkwasser bekommen habe.
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