Prozess in New York: Todesstrafe für 9/11-Drahtzieher erwartet
zuletzt aktualisiert: 13.11.2009 - 19:22Washington (RPO). Die USA wollen fünf prominente Guantanamo-Häftlinge, darunter den mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, vor ein Zivilgericht stellen. Khalid Sheikh Mohammed sowie seine Mithäftlinge würden deshalb demnächst nach New York verlegt, teilte Justizminister Eric Holder mit. Er erwarte, dass die Staatsanwaltschaft für die Angeklagten die Todesstrafe fordern werde.
Die fünf Männer werden alle mit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington in Verbindung gebracht. Der Jemenit Binalshibh gilt als Mitglied der sogenannten Hamburger Zelle. Er wohnte in der Hansestadt mit dem mutmaßlichen Todespiloten Mohammed Atta zusammen und wurde nach weltweiter Fahndung Ende 2002 in Pakistan aufgegriffen. Dass er und die anderen Verdächtigen nunmehr nach New York, also zum Schauplatz der Anschläge, gebracht werden sollen, verurteilten manche Angehörige der Opfer als geschmacklos.
US-Präsident Barack Obama betonte indes während seines Besuchs in Tokio, dies sei eine juristische Entscheidung, die auch im Sinne der nationalen Sicherheit ausgefallen sei. Er sei absolut zuversichtlich, dass dem Angeklagten Mohammed das volle Maß der Gerechtigkeit widerfahren werde.
Fünf Verdächtige demnächst vor Militärkommission
Allerdings ist nicht für alle Guantanamo-Insassen ein ziviles Gerichtsverfahren vorgesehen. Für fünf weitere Terrorverdächtige wurde am Freitag die Überstellung an eine Militärkommission beschlossen, darunter für Abd al-Rahim al-Nashiri, der für den Anschlag auf das Kriegsschiff "USS Cole" verantwortlich sein soll. Der Anwalt eines der fünf Betroffenen äußerte sich zutiefst enttäuscht über diese Entscheidung.
Die Überstellung von mutmaßlichen Topterroristen vor ordentliche Gerichte ist ein entscheidender Bestandteil von Obamas Plan, das Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba zu schließen. Der Präsident sagte dies binnen eines Jahres nach seinem Amtsantritt zu, Regierungsbeamte gehen jedoch davon aus, dass die Frist bis Ende Januar nicht einzuhalten sein wird.
Die mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September
KHALID SHEIKH MOHAMMED hatte sich schon in seinen Vernehmungen mit der Drahtzieherschaft der Anschläge vom 11. September gebrüstet. Der aus Pakistan stammende Kuwaiter schloss sich bereits in seiner Jugend islamistischen Gruppen an. Der gelernte Ingenieur kämpfte in den 80ern gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan und war Anfang der 90er Jahre an der Seite der muslimischen Bosnier im Balkan-Krieg aktiv. Der heute 44-Jährige soll nach Angaben von Zeugen bereits 1996 dem El-Kaida-Chef Osama bin Laden von seinem Plan für Flugzeuganschläge in den USA berichtet haben.
RAMZI BINALSHIBH war ein wichtiges Bindeglied der Flugzeugattentäter nach Deutschland. Der im Jemen geborene Binalshibh zählte zur "Hamburger Zelle" um den 9/11-Attentäter Mohammed Atta, den er 1997 in einer Moschee der Hansestadt kennengelernt hatte. Gemeinsam suchten die beiden El-Kaida-Chef Bin Laden in Afghanistan auf. Der heute 35-jährige Jemenit war selbst als Flugzeugattentäter eingeplant, erhielt aber kein Einreisevisum für die USA. Er gilt als Cheflogistiker der "Hamburger Zelle".
ALI ABDUL-AZIZ ALI ist der Neffe des Hauptangeklagten Khalid Sheikh Mohammed und Vetter von Ramzi Youssef, dem Drahtzieher des Bombenanschlags auf das World Trade Center 1993. Der etwa 30-Jährige wurde in Pakistan geboren und ließ sich 1998 in Dubai nieder, wo er als Computerprogrammierer arbeitete. Er soll Geld für die Pilotenausbildung der Attentäter in die USA überwiesen haben. Sein Antrag auf ein US-Einreisevisum wurde zwei Wochen vor den Anschlägen abgelehnt.
WALID BIN ATTASH entstammt einer saudiarabischen Familie, die enge Verbindungen zur Familie von Osama bin Laden unterhielt. Attash schloss sich schon als Teenager radikalislamischen Gruppen an. Im Jahr 1997 wurde er im Kampf in Afghanistan verletzt. Der heute etwa 30-Jährige gilt als Cheforganisator des Anschlags auf das US-Kriegschiff "USS Cole", bei dem 2000 vor der jemenitischen Küste 17 Menschen starben. Für die Flugzeugattentäter soll er Sicherheitsmaßnahmen im Flugverkehr ausgekundschaftet haben.
MUSTAFA AL-HAWSAWI gilt als alter Weggefährte seines Landsmanns Osama bin Laden, dem er über viele Jahre als Finanzchef gedient haben soll. Der heute 40-Jährige wurde in Saudiarabien geboren und war in den 90er Jahren gemeinsam mit Bin Laden im sudanesischen Exil. Von Hawsawis Konto wurden große Summen an Mohammed Atta nach Hamburg überwiesen, die der Finanzierung der Terroranschläge gedient haben sollen.
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