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Todesstrafe in Indonesien
Zum Tode verurteilter Australier heiratet auf Gefängnisinsel

Todesstrafe in Indonesien: Todeskandidat heiratet auf Gefängnisinsel
Anwälte der beiden verurteilten Australier Myuran Sukumaran und Andrew Chan tragen Selbstporträts der Angeklagten während eines Protests. FOTO: ap
Jakarta. Einer der beiden in Indonesien zum Tode verurteilten Australier hat angesichts des bevorstehenden Hinrichtungstermins seine Freundin geheiratet. In der Hauptstadt Jakarta gehen indes Menschen für letzte Gnadenappelle auf die Straße.

In einer einfach gehaltenen Zeremonie hätten sich der 31-jährige Andrew Chan und seine Freundin Febyanti Herewila am Montag im Gefängnis das Ja-Wort gegeben, berichtete die Nachrichtenagentur Antara unter Berufung auf den Bruder des Verurteilten, Michael Chan. Andrew Chan und Herewila hatten sich bereits vor Jahren kennengelernt.

Der Australier, sein Landsmann Myuran Sukumaran (33) sowie mehrere andere zum Tode Verurteilte befinden sich bereits auf der Gefängnisinsel Nusakambangan, wo sie vor ein Erschießungskommando gestellt werden sollen. Trotz wiederholter Versuche der australischen Regierung, die Hinrichtung ihrer Landsleute zu verhindern, droht ihnen nach Befürchtungen von Angehörigen womöglich bereits diese Woche die Exekution.

Indes ereignen sich in der indonesischen Hauptstadt Jakarta heftige Proteste, letzte Gnadenappelle und erschütternde Abschiedsszenen: Während neun in Indonesien zum Tode verurteilte Ausländer ihren Angehörigen Lebewohl sagten, haben Frankreichs Staatschef François Hollande und der australische Premierminister Tony Abbott die Todesstrafe verurteilt. "Frankreich und Australien teilen die gleiche Verbundenheit mit den Menschenrechten und verurteilen überall und unter allen Umständen die Anwendung der Todesstrafe", erklärte der Elysée-Palast in Paris am Montag nach einem Treffen der beiden Politiker.

Das Außenministerium in Jakarta erklärte jedoch, die Gnadenappelle würden nichts ändern. Auch Australien erhöhte zuletzt den Druck auf die Regierung in Jakarta, die Todesurteile nicht zu vollstrecken. Außenministerin Julie Bishop forderte, zunächst müssten Korruptionsvorwürfe gegen die Richter geklärt werden, die die beiden Australier Myuran Sukumaran und Andrew Chan verurteilt hatten. Bishop bestätigte im ABC-Rundfunk, dass die Anwälte der beiden Verurteilten sich an das indonesische Verfassungsgericht gewandt hätten. Eine separate Untersuchung der indonesischen Justizkommission befasse sich mit den Korruptionsvorwürfen.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer (SPD), äußerte sich bestürzt über die bevorstehenden Vollstreckungen der Todesstrafe. Er forderte in einer Erklärung am Montag "den indonesischen Präsidenten Joko Widodo erneut dazu auf, die Todesurteile auszusetzen und in Freiheitsstrafen umzuwandeln". Mit der Vollstreckung der Todesstrafe würden mögliche Justizirrtümer "auf dramatische Weise unumkehrbar".

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte Indonesien am Wochenende auf, die Todesurteile nicht zu vollstrecken. Nach internationalem Recht dürfe die Todesstrafe lediglich bei schwersten Straftaten wie Mord vollstreckt werden. "Delikte im Zusammenhang mit Drogen zählen im Allgemeinen nicht dazu."

Indonesien zählt zu den Ländern mit den strengsten Drogengesetzen weltweit. Erst im Januar waren unter internationalem Protest sechs Menschen wegen Drogendelikten hingerichtet worden, darunter fünf Ausländer.

(dpa/AFP)
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